FSP nicht bestanden: Was jetzt?

Dr. Yanis von FSP Trainer7 Min. Lesezeit
Ärztin schreibt Notizen am Schreibtisch, Sinnbild für den Neustart nach einer nicht bestandenen Fachsprachprüfung
Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

Der Moment vor der Tür

Sie stehen vor dem Gebäude der Kammer. Vor zehn Minuten hat die Kommission es Ihnen gesagt: nicht bestanden. Sie haben höflich genickt. Jetzt stehen Sie draußen, das Handy in der Hand, und wissen nicht, wen Sie zuerst anrufen sollen. Oder ob überhaupt.

Ich habe meine FSP bestanden. Aber ich weiß noch genau, wie es war, vor dieser Tür auf das Urteil zu warten. Und in meiner Lerngruppe gab es mehr als eine Kollegin und einen Kollegen, die beim ersten Mal nicht bestanden haben. Heute arbeiten sie alle als Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

Dieser Artikel ist für den Tag danach. Er beantwortet die praktischen Fragen (wie oft, wie lange, was kostet es) und zeigt Ihnen einen Weg, wie aus dem zweiten Versuch ein bestandener wird.

Sie sind nicht allein: die Zahlen

Die Ärztekammer Nordrhein, eine der Kammern mit den meisten Prüfungen in Deutschland, veröffentlicht ihre Zahlen jedes Jahr im Jahresbericht der Weiterbildung:

JahrFachsprachprüfungenNicht bestanden
20221.22533 %
20232.04036 %
20242.82337 %
20253.35244 %

2025 wurden also 1.489 Prüfungen nicht bestanden, deutlich mehr als jede dritte. Das ist keine Randgruppe, das ist ein normaler Teil des Weges. Mehr Zahlen zu ganz NRW stehen im Ratgeber Nordrhein-Westfalen. Und eine wichtige Einschränkung: Die Quote zählt Prüfungen, nicht Personen. Wer zweimal antritt, zählt zweimal. Wie viele am Ende bestehen, erfasst die Statistik nicht.

Die Wahrheit: Ein Nichtbestehen ist ein Befund, keine Diagnose über Sie

Als Ärztin oder Arzt kennen Sie den Unterschied. Ein auffälliger Befund sagt Ihnen, wo Sie hinschauen müssen. Er sagt nichts über den Wert des Patienten.

Die FSP prüft nicht Ihre Medizin. Die Ärztekammer Nordrhein schreibt ausdrücklich, dass eine falsche Diagnose nicht in die Bewertung eingeht, bewertet wird die sprachliche Bewältigung der Situation. Wer durchfällt, ist also nicht der schlechtere Arzt. Er hat an einer bestimmten Stelle die Sprache unter Druck nicht abrufen können. Und genau diese Stelle lässt sich finden und trainieren.

Wie oft darf man die FSP wiederholen?

In fast allen Bundesländern so oft wie nötig. Keine der Kammern, die wir für unsere Ratgeber geprüft haben, nennt eine Höchstzahl. Für NRW hat die Landesregierung das im Dezember 2025 auch schriftlich bestätigt (Landtag NRW, Drucksache 18/17046): Fachsprachenprüfungen können, anders als Kenntnisprüfungen, beliebig oft wiederholt werden.

Drei Regeln gelten fast überall:

  1. Sie wiederholen die ganze Prüfung, mit allen drei Teilen. Auch wenn nur der Arztbrief schwach war.
  2. Sie melden sich neu an, meist im selben Formular mit dem Kreuz bei „Wiederholungsprüfung“.
  3. Sie zahlen die Gebühr erneut.
Wiederholungsprüfung

Ein erneuter Versuch der Fachsprachprüfung nach einem Nichtbestehen. Sie melden sich dafür neu an, meist im selben Formular mit dem Kreuz bei „Wiederholungsprüfung“, und zahlen die Gebühr erneut.

Zum Vergleich: Die Kenntnisprüfung dürfen Sie in der Regel nur zweimal wiederholen. Den Unterschied zwischen beiden Prüfungen erklärt der Artikel FSP vs. Kenntnisprüfung.

Wiederholung und Gebühr nach Bundesland

Diese Übersicht fasst unsere Ratgeber nach Bundesland zusammen. Jeder Ratgeber nennt die offiziellen Quellen und das Prüfdatum. Stand: Oktober 2026. Gebühren können sich ändern, verbindlich ist Ihr Gebührenbescheid.

BundeslandWiederholungFSP-Gebühr
Baden-WürttembergUnbegrenzt420 € pro Versuch
BayernNicht begrenzt, frühestens nach 3 Monaten empfohlen550 €
BerlinUnbegrenzt, als Ganzes, mind. 3 Monate Vorbereitung empfohlen550 € pro Versuch
BrandenburgUnbegrenzt, als Ganzes, Kommission empfiehlt den Zeitpunkt487 € pro Versuch
BremenMöglich, jeweils mit neuem Auftrag der Senatorin530 € pro Versuch
HamburgNach Erfüllung der erteilten Auflage550 €
HessenBeliebig oft, neuer Antrag im Portal650 € pro Versuch
Mecklenburg-VorpommernUnbegrenzt, als Ganzes, frühestens nach 3 Monaten700 €
NiedersachsenUnbegrenzt, als Ganzes595 € pro Versuch
Nordrhein-WestfalenBeliebig oft, 3 bis 6 Monate Abstand empfohlen430 € (Nordrhein), 400 € (Westfalen-Lippe)
Rheinland-PfalzNach der von der Kommission empfohlenen Vorbereitungszeit470 € pro Versuch
SachsenUnbegrenzt, als Ganzes590 € pro Versuch
Sachsen-AnhaltMöglich, keine Höchstzahl genannt500 €
Schleswig-HolsteinUnbegrenzt, als Ganzes, frühestens nach 3 Monaten, Antrag über das SHIBB700 € (Prüfung in Rostock)
ThüringenUnbegrenzt, neue Anmeldung mit Angabe der Auflage600 € pro Versuch

Für das Saarland haben wir noch keine geprüften Angaben. Fragen Sie dort direkt bei der Ärztekammer des Saarlandes nach.

Bleibt noch die Frage nach Ihrer Berufserlaubnis und Ihrem Antrag. Das regelt jedes Land anders, und es hängt von Ihrem Verfahren ab. Fragen Sie Ihre Approbationsbehörde: Sie kennt Ihre Akte. Bei mir war es so, dass die Behörde schneller und klarer geantwortet hat als jedes Forum.

Schritt 1: Die ersten 48 Stunden

Treffen Sie heute keine großen Entscheidungen. Nicht über ein anderes Bundesland, nicht über einen teuren Kurs, nicht über das Aufgeben. Aber tun Sie heute eine einzige Sache:

Schreiben Sie ein Gedächtnisprotokoll. Noch am selben Abend, solange alles frisch ist.

  • Welcher Fall war es? Welche Leitsymptome?
  • An welcher Stelle im Patientengespräch haben Sie gestockt?
  • Wie weit sind Sie mit dem Arztbrief gekommen? Was fehlte am Ende?
  • Welche Fragen haben die Prüfer im Arzt-Arzt-Gespräch gestellt? Welche konnten Sie nicht beantworten?
  • Was hat die Kommission zum Schluss gesagt, auch wenn es nur ein Satz war?
Gedächtnisprotokoll

Ihre eigenen Notizen direkt nach der Prüfung: Fall, Fragen, Stellen, an denen Sie gestockt haben. Es ist die wichtigste Quelle, um die Ursache des Nichtbestehens zu finden.

Wenn Ihnen die Kommission eine Empfehlung oder Auflage mitgibt, wie in Brandenburg, Hamburg, Thüringen oder Rheinland-Pfalz, schreiben Sie sie wörtlich ab. Sie ist die genaueste Rückmeldung, die Sie zu Ihrem Stand bekommen werden.

Und dann: Rufen Sie jemanden an. Familie, Partnerin, Partner, Lerngruppe. Diese Prüfung tragen nicht nur Sie, und Sie müssen den Abend nicht allein verbringen.

Schritt 2: Die Ursache finden

Mit dem Gedächtnisprotokoll in der Hand ordnen Sie jedes Problem einem Teil der Prüfung zu. Die meisten Nichtbestehen haben eine Hauptursache, nicht zehn.

Was Sie erlebt habenWahrscheinliche UrsacheWas Sie trainieren
Den Patienten nicht verstanden, oft nachgefragtHörverstehen von AlltagsspracheKurze tägliche Hörübungen mit Patientensprache
Die Anamnese war lückenhaft oder ungeordnetFehlende StrukturEin festes Anamneseschema, laut geübt
Fachwörter zur Patientin gesagtRegisterwechselFachbegriff und Alltagswort immer als Paar lernen
Arztbrief nicht fertig gewordenZeit und RoutineBriefe mit Uhr schreiben, immer mit derselben Gliederung
Viele Grammatikfehler im BriefKonjunktiv I, Passiv, GenitivGezielte Grammatikübungen im medizinischen Kontext
In der Fallvorstellung den Faden verlorenFehlende Vorlage im KopfEine feste Struktur für die Vorstellung, laut wiederholt
Kopf leer, obwohl Sie es wusstenPrüfungsstressVollständige Simulationen unter Zeitdruck

Seien Sie dabei ehrlich mit sich. « Ich war nervös » ist oft wahr, aber selten die ganze Erklärung. Nervosität trifft vor allem die Stellen, die noch nicht automatisch sitzen. Was die Kommission genau bewertet, steht im Artikel zu den Bewertungskriterien der Fachsprachprüfung, typische Stolperfallen in Fachsprachprüfung bestehen: häufige Fehler.

Wenn die Angst selbst das Problem war, lesen Sie FSP-Prüfungsangst überwinden. Angst ist kein Charakterfehler, sie ist trainierbar.

Schritt 3: Der Plan bis zum nächsten Versuch

Die meisten Kammern empfehlen mindestens drei Monate. Das ist kein Zufall: So lange braucht es, bis neue Sprachmuster unter Druck abrufbar sind. Teilen Sie diese Zeit in drei Phasen:

  1. Phase 1, etwa 4 Wochen: die Schwachstelle. Zwei Drittel Ihrer Lernzeit gehen an die Hauptursache aus Schritt 2. Der Rest hält die anderen Teile warm.
  2. Phase 2, etwa 4 Wochen: zusammenführen. Jetzt üben Sie ganze Fälle, nicht mehr nur Einzelteile: ein Fall vom Patientengespräch über den Brief bis zur Vorstellung.
  3. Phase 3, die letzten 4 Wochen: Generalprobe. Mindestens einmal pro Woche eine vollständige Simulation aller drei Teile, mit Uhr, ohne Pause, ohne Hilfen.

Konsequenz schlägt Intensität. 45 Minuten jeden Tag bringen mehr als ein schuldbewusstes Wochenende mit zehn Stunden. Einen Wochenplan zum Anpassen finden Sie im realistischen FSP-Lernplan.

Mit Familie und Job ist Ihr Lernfenster das, was übrig bleibt. Ich weiß das. Planen Sie deshalb lieber 30 Minuten, die Sie wirklich jeden Tag schaffen, als 90, die Sie dreimal pro Woche verpassen.

Schritt 4: Wann Sie sich neu anmelden

Melden Sie sich nicht aus Wut am Tag danach an. Und nicht erst, wenn Sie sich « perfekt » fühlen, denn das passiert nie.

Eine ehrliche Faustregel: Melden Sie sich an, wenn Sie drei vollständige Simulationen hintereinander so durchgestanden haben, dass Sie mit dem Ergebnis zufrieden wären. Prüfen Sie dabei die Mindestfrist Ihres Landes in der Tabelle oben. Und denken Sie daran, dass zwischen Anmeldung und Termin je nach Kammer Wochen oder Monate liegen können.

In der FSP Trainer Web-App gibt es dafür zwei Werkzeuge, die genau zu diesem Plan passen. Der FSP-Simulator spielt alle drei Teile durch und wertet am Ende jeden Teil einzeln aus. So sehen Sie, ob die Schwachstelle aus Schritt 2 wirklich kleiner wird. Im Prüfungsmodus wird der Fall zufällig gezogen, es gibt kein Transkript, keine Pause und feste Zeiten: die ehrlichste Generalprobe für Phase 3. Für Phase 1 trainieren der Hör-Trainer, der Vokabeltrainer und das Grammatik-Quiz gezielt einzelne Schwächen. Das kostenlose Basis-Paket enthält zwei komplette Simulationen, der Prüfungsmodus gehört zu Pro. Mehr dazu auf der Seite zur FSP-Simulation.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie das Gedächtnisprotokoll. Fünf Fragen, zehn Minuten. Mehr müssen Sie heute nicht tun.

Morgen sieht die Sache schon anders aus. Dann haben Sie keinen Misserfolg mehr vor sich, sondern einen Befund. Und mit einem Befund können Sie als Ärztin oder Arzt arbeiten. Das haben Sie Ihr ganzes Berufsleben lang getan.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Wie oft darf ich die Fachsprachprüfung wiederholen?+

In fast allen Bundesländern so oft wie nötig. Eine Höchstzahl nennt keine der Kammern, die wir für unsere Ratgeber geprüft haben. Das unterscheidet die FSP von der Kenntnisprüfung, die Sie in der Regel nur zweimal wiederholen dürfen.

Muss ich die ganze FSP wiederholen oder nur den Teil, den ich nicht bestanden habe?+

Die ganze Prüfung. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen sagen es ausdrücklich: Wiederholt wird immer die gesamte Prüfung mit allen drei Teilen, auch wenn nur ein Teil schwach war.

Wie lange muss ich bis zur Wiederholung warten?+

Das hängt vom Land ab. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein schreiben mindestens drei Monate vor. Bayern und Berlin empfehlen drei Monate, die Kammern in NRW drei bis sechs Monate. In Hamburg, Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz richtet sich der Termin nach der Auflage oder Empfehlung der Kommission.

Was kostet die Wiederholung der FSP?+

In der Regel dieselbe Gebühr wie beim ersten Versuch, je nach Land zwischen 400 und 700 Euro (Stand Oktober 2026). Sie zahlen sie bei jeder Wiederholung erneut. Maßgeblich ist immer Ihr Gebührenbescheid.

Kann ich gegen das Ergebnis Widerspruch einlegen?+

Das regelt jede Kammer selbst. Die Ärztekammer Berlin zum Beispiel nimmt keinen Widerspruch gegen das Prüfungsergebnis an, möglich ist er dort nur gegen Entscheidungen des LAGeSo. Fragen Sie im Zweifel direkt bei Ihrer Kammer oder Approbationsbehörde nach.

Kann ich die FSP in einem anderen Bundesland wiederholen?+

Zuständig ist grundsätzlich das Land, in dem Sie arbeiten werden. Ein Wechsel bedeutet meist ein neues Verfahren bei einer anderen Behörde. Ob und wie sich das lohnt, klären Sie mit beiden Behörden, bevor Sie etwas entscheiden.

Was passiert mit meiner Berufserlaubnis, wenn ich die FSP nicht bestehe?+

Das ist von Land zu Land verschieden und hängt von Ihrem Verfahren ab. Klären Sie es direkt mit Ihrer Approbationsbehörde. Sie kennt Ihre Akte und kann Ihnen sagen, welche Fristen für Sie gelten.

Wie finde ich heraus, warum ich durchgefallen bin?+

Schreiben Sie noch am Prüfungstag ein Gedächtnisprotokoll: welcher Fall, welche Fragen, wo Sie gestockt haben. Wenn die Kommission Ihnen eine Empfehlung oder Auflage mitgibt, ist das die genaueste Rückmeldung. Dann ordnen Sie jedes Problem einem der drei Teile zu.

Glossar

Wiederholungsprüfung
Ein erneuter Versuch der Fachsprachprüfung nach einem Nichtbestehen. Sie melden sich dafür neu an, meist im selben Formular mit dem Kreuz bei „Wiederholungsprüfung“, und zahlen die Gebühr erneut.
Auflage
Eine Vorgabe der Prüfungskommission nach einem Nichtbestehen, zum Beispiel ein Sprachkurs oder eine Mindestvorbereitungszeit. In Hamburg und Thüringen ist sie die Grundlage für die Anmeldung zur Wiederholung.
Gedächtnisprotokoll
Ihre eigenen Notizen direkt nach der Prüfung: Fall, Fragen, Stellen, an denen Sie gestockt haben. Es ist die wichtigste Quelle, um die Ursache des Nichtbestehens zu finden.
Approbationsbehörde
Die Landesbehörde, die über Ihre Approbation oder Berufserlaubnis entscheidet. Die FSP nimmt dagegen meist die Landesärztekammer ab, die das Ergebnis an die Behörde meldet.