Fachsprachprüfung: Wie Ärzte bewertet werden

Dr. Yanis von FSP Trainer5 Min. Lesezeit
Zwei Ärztinnen besprechen einen Patientenfall am Tisch, wie die Prüfungskommission bei der Bewertung der Fachsprachprüfung
Foto: Thirdman / Pexels

Der Moment, in dem ich verstanden habe, was bewertet wird

Meine Simulationspatientin hatte Bauchschmerzen seit drei Tagen. Die Diagnose war für mich klar, ich hätte sie im Schlaf hingeschrieben. Dann sagte ich das Wort "Sonografie", und sie schaute mich an: "Was ist das?"

Ich habe wochenlang lateinische Begriffe gepaukt. Für "Ultraschall" hatte mein Kopf in diesem Moment keinen Eintrag.

Da habe ich begriffen, was die Kommission eigentlich vor sich liegen hatte. Kein Medizin-Quiz. Einen Bogen mit Kriterien, und eines davon lautete sinngemäß: Versteht die Patientin, was dieser Arzt ihr sagt?

Kurz gesagt: Was bewertet wird

  • Drei Teile zu je rund 20 Minuten, jeder wird getrennt bewertet.
  • Alle vier Sprachkompetenzen: Hörverstehen, Sprechen, Lesen, Schreiben.
  • Maßstab: Fachsprache orientiert am Niveau C1, auf einer allgemeinsprachlichen Basis von B2.
  • Nicht bewertet: Ihr medizinisches Fachwissen.
  • Bestehensgrenze: verbreitet 60 Prozent, und zwar in jedem Teil.
Fachsprachprüfung (FSP)

Prüfung der medizinischen Fachsprache vor der Landesärztekammer, bestehend aus drei Teilen von je etwa 20 Minuten: Arzt-Patienten-Gespräch, schriftliche Dokumentation und Arzt-Arzt-Gespräch. Sie prüft die sprachliche Ausdrucksfähigkeit, nicht das medizinische Fachwissen.

Wer sitzt Ihnen gegenüber, und mit welchem Bogen?

Vor Ihnen sitzt keine einzelne Person, die spontan entscheidet. Die Kommission besteht aus mehreren Mitgliedern, in Bayern zum Beispiel aus zwei Ärztinnen oder Ärzten und einer sprachwissenschaftlichen Fachkraft, so die Bayerische Landesärztekammer. Jedes Mitglied bewertet Sie getrennt, nach einem einheitlichen, strukturierten Schema.

Bewertungsbogen

Das strukturierte Formular, mit dem jedes Kommissionsmitglied Ihre Leistung getrennt nach Kriterien bewertet. Für jeden der drei Prüfungsteile gibt es eigene Kriterien.

Das ist eine gute Nachricht. Ein Bogen mit festen Kriterien lässt sich vorbereiten. Ein Bauchgefühl nicht.

Die Wahrheit, die selten jemand ausspricht

Die FSP bewertet nicht, wie schön Ihr Deutsch ist. Sie bewertet, ob Ihre Kommunikation im Klinikalltag trägt.

Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber der ganze Unterschied. Ein Akzent ist kein Bewertungskriterium. Ich habe meinen nie verloren und arbeite seit Jahren auf Station. Ein Satz, den die Patientin nicht versteht, ist dagegen ein Fehler, auch wenn er grammatikalisch perfekt ist.

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg schreibt es unmissverständlich: Geprüft werden Hörverstehen sowie die mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit, das medizinische Fachwissen wird nicht bewertet (siehe Landesärztekammer Baden-Württemberg).

Nur: Fachsprache und Medizin lassen sich nicht sauber trennen. Wenn Sie im Arzt-Arzt-Gespräch "Hypertonie" sagen und "Hypotonie" meinen, ist das kein medizinischer Fehler in den Augen der Kommission. Es ist ein Sprachfehler. Und der zählt.

Wie jeder Prüfungsteil bewertet wird

Teil 1: Arzt-Patienten-Gespräch (Hören und Sprechen)

Hier wird zuerst Ihr Hörverstehen bewertet, auch wenn das niemand so ankündigt. Die Simulationspatientin spricht nicht in Lehrbuchdeutsch. Sie sagt "es zieht", nicht "ich habe ausstrahlende Schmerzen".

Hörverstehen

Die Fähigkeit, gesprochenes Deutsch unter realen Bedingungen zu verstehen, also mit Dialekt, Umgangssprache und Nebengeräuschen. In der FSP entscheidet das Hörverstehen darüber, welche Informationen Ihnen in Teil 2 und Teil 3 überhaupt zur Verfügung stehen.

Bewertet werden außerdem:

  • Struktur des Gesprächs: Begrüßung, offene Einstiegsfrage, gezielte Anamnese, Zusammenfassung.
  • Verständlichkeit: Übersetzen Sie jeden Fachbegriff sofort in Alltagssprache?
  • Empathie und Gesprächsführung: Reagieren Sie auf Sorgen, oder spulen Sie Ihren Fragenkatalog ab?
  • Flüssigkeit und Aussprache: Kommt Ihre Frage an, ohne dass die Patientin nachfragen muss?

Wie Sie diesen Teil konkret aufbauen, habe ich im Detail im Leitfaden zum Arzt-Patienten-Gespräch in der FSP beschrieben.

Teil 2: Schriftliche Dokumentation (Schreiben und Lesen)

Jetzt wird der schriftliche Ausdruck bewertet, und zwar an einem Formular, das Sie zum ersten Mal sehen. Genau hier kommt auch das Leseverstehen ins Spiel: Sie müssen die Vorlage und die Rubriken korrekt erfassen, bevor Sie schreiben.

Bewertet werden:

  • Vollständigkeit und Ordnung: Steht jede Information dort, wo sie hingehört?
  • Fachsprachliche Korrektheit: die richtigen Begriffe, richtig geschrieben.
  • Grammatik der Schriftsprache: Konjunktiv I in der indirekten Rede, Passiv beim Prozedere.
  • Lesbarkeit: Die Kommission muss Ihre Handschrift entziffern können.

Ein Punkt, der selten irgendwo steht und viel Ärger spart: Die Hilfsmittel sind von Land zu Land verschieden. In Baden-Württemberg und Sachsen dürfen Sie ein medizinisches Wörterbuch benutzen. Die Ärztekammer Nordrhein stellt nur Papier und Stift und lässt keine weiteren Hilfsmittel zu. Wer mit dem Wörterbuch im Kopf geübt hat und dann ohne dasitzt, verliert Zeit, die er nicht hat.

Die typischen Stolperstellen dieses Teils habe ich in Arztbrief schreiben in der FSP gesammelt.

Teil 3: Arzt-Arzt-Gespräch (Fachsprache unter Zeitdruck)

Hier dreht sich das Register um 180 Grad. In Teil 1 war jedes Fremdwort ein Risiko, jetzt ist es Pflicht. Bewertet werden:

  • Fachsprachliche Präzision: Verwenden Sie die Termini korrekt und sicher?
  • Struktur der Fallvorstellung: eine nachvollziehbare Reihenfolge statt einer Stichwortliste.
  • Argumentation: Verdachtsdiagnose, Differenzialdiagnosen, Diagnostik, Procedere.
  • Dialogfähigkeit: Können Sie auf Rückfragen antworten, ohne den Faden zu verlieren?

Der Registerwechsel zwischen Teil 1 und Teil 3 ist für viele die eigentliche Hürde. Wie man beide Register nebeneinander aufbaut, steht in Medizinische Fachbegriffe in Laiensprache.

Wie viele Punkte brauchen Sie?

Rechnen wir es einmal konkret durch, am Beispiel der Ärztekammer Nordrhein: Drei Prüfende vergeben je maximal 20 Punkte. Das ergibt 60 Punkte, und bestanden haben Sie ab 36 Punkten, also bei 60 Prozent.

Die Ärztekammer Berlin nennt ebenfalls 60 Punkte und verlangt mindestens 60 Prozent der Gesamtpunktzahl in jedem einzelnen Prüfungsteil.

Dieses kleine Wort "einzeln" ist die wichtigste Zahl des ganzen Artikels. Es gibt keinen Ausgleich. Ein brillantes Anamnesegespräch rettet keine schwache Dokumentation. Fallen Sie in einem Teil unter die Grenze, gilt die ganze Prüfung als nicht bestanden, und Sie wiederholen alle drei Teile zusammen.

Was das für Ihre Vorbereitung auf die Fachsprachprüfung heißt

Wenn die Bewertung nach vier Kompetenzen aufgeteilt ist, dann sollte Ihr Training genauso aufgeteilt sein. "Ich lerne Deutsch" ist kein Plan. Das hier schon:

  1. Hörverstehen zuerst. Hören Sie Patientenschilderungen mit Dialekt und Umgangssprache und beantworten Sie danach Fragen zum Inhalt. Wer in Teil 1 nichts versteht, hat in Teil 2 nichts zu schreiben. Wie sich das gezielt trainieren lässt, zeigt unsere Seite zum Hörverstehen in der Medizin.
  2. Mündlichen Ausdruck laut trainieren. Nehmen Sie Ihre eigene Anamnese mit dem Handy auf und hören Sie sie ab. Sie hören dabei Fehler, die Sie beim Sprechen selbst nie bemerken.
  3. Fachvokabular in zwei Registern lernen. Zu jedem Begriff gehören zwei Karten: "Sonografie" für die Kollegin, "Ultraschall" für die Patientin. Wer nur eine Spalte lernt, fällt in Teil 1 oder in Teil 3 auf. Genau so ist unser Training zu den medizinischen Fachbegriffen aufgebaut.
  4. Schriftlichen Ausdruck an einer festen Struktur üben. Immer dieselbe Reihenfolge, immer Konjunktiv I in der indirekten Rede, immer Passiv beim Procedere.
  5. Zum Schluss eine Simulation am Stück. Erst wenn die vier Kompetenzen einzeln sitzen, zeigt ein kompletter Durchlauf, ob Ihre Notizen aus Teil 1 für Teil 2 reichen.

Einen fertigen Wochenplan dafür finden Sie im FSP-Lernplan, den kompletten Prüfungsablauf im Überblick in Fachsprachprüfung: Ablauf und Inhalt.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie ein Blatt und schreiben Sie die vier Kompetenzen untereinander: Hören, Sprechen, Schreiben, Lesen. Geben Sie sich in jeder Zeile ehrlich eine Note von 1 bis 5.

Die schlechteste Zeile ist Ihr Programm für die nächsten zwei Wochen. Nicht alles auf einmal. Eine Zeile.

Die Kommission bewertet nach einem Bogen mit klaren Kriterien. Das heißt: Diese Prüfung ist kein Glücksspiel, sondern etwas, das man trainieren kann. Sie haben Medizin gelernt. Ein Bewertungsbogen mit vier Kompetenzen ist dagegen wirklich machbar.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Wie wird die Fachsprachprüfung bewertet?+

Nach einem einheitlichen, strukturierten Bewertungsbogen. Die Kommission beurteilt jeden der drei Teile getrennt anhand eigener Kriterien für Hörverstehen, mündlichen Ausdruck und schriftlichen Ausdruck. Das Ergebnis wird Ihnen in vielen Kammern direkt im Anschluss mündlich mitgeteilt.

Wie viele Punkte braucht man, um die FSP zu bestehen?+

In der Regel 60 Prozent je Prüfungsteil. Bei der Ärztekammer Nordrhein vergeben drei Prüfende je maximal 20 Punkte, insgesamt also 60, und Sie brauchen mindestens 36 Punkte. Die Ärztekammer Berlin nennt ebenfalls 60 Punkte und verlangt 60 Prozent in jedem einzelnen Teil.

Welche Sprachkompetenzen prüft die Fachsprachprüfung?+

Alle vier: Hörverstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben. Verteilt sind sie auf drei Teile von je etwa 20 Minuten, nämlich Arzt-Patienten-Gespräch, schriftliche Dokumentation und Arzt-Arzt-Gespräch. Der Maßstab ist die Fachsprache auf C1-Niveau auf einer allgemeinsprachlichen Basis von B2.

Wird in der FSP medizinisches Fachwissen bewertet?+

Nein. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg stellt ausdrücklich klar, dass das medizinische Fachwissen nicht bewertet wird, geprüft wird die sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Trotzdem muss Ihre Fachsprache im Arzt-Arzt-Gespräch korrekt sein, denn falsche Begriffe sind ein Sprachfehler.

Zieht mir ein Akzent Punkte ab?+

Ein Akzent allein ist kein Bewertungskriterium. Bewertet wird, ob man Sie versteht. Undeutliche Aussprache, verschluckte Endungen oder ein Tempo, bei dem die Patientin nicht folgen kann, fallen dagegen sehr wohl auf, weil sie die Verständlichkeit beeinträchtigen.

Was passiert, wenn ich nur einen Teil nicht bestehe?+

Dann gilt die gesamte Prüfung als nicht bestanden. Einzelne Teile können Sie nicht nachholen, Sie wiederholen immer alle drei zusammen und zahlen die volle Gebühr erneut. Die Bayerische Landesärztekammer rät, frühestens nach drei Monaten erneut anzutreten.

Darf ich in der FSP ein Wörterbuch benutzen?+

Das hängt von Ihrer Kammer ab. In Baden-Württemberg und Sachsen dürfen Sie für die schriftliche Dokumentation ein medizinisches Wörterbuch verwenden. Die Ärztekammer Nordrhein stellt nur Papier und Stift und lässt keine weiteren Hilfsmittel zu. Fragen Sie das vorher ab.

Wie richte ich meine Vorbereitung auf die Fachsprachprüfung nach den Kriterien aus?+

Trainieren Sie die vier Kompetenzen getrennt statt alles gleichzeitig. Hörverstehen mit echten Patientenschilderungen, mündlichen Ausdruck laut und mit Aufnahme, schriftlichen Ausdruck mit Konjunktiv I und Passiv, Fachvokabular immer in zwei Registern. Erst danach eine Simulation am Stück.

Glossar

Fachsprachprüfung (FSP)
Prüfung der medizinischen Fachsprache vor der Landesärztekammer, bestehend aus drei Teilen von je etwa 20 Minuten: Arzt-Patienten-Gespräch, schriftliche Dokumentation und Arzt-Arzt-Gespräch. Sie prüft die sprachliche Ausdrucksfähigkeit auf C1-Niveau, nicht das medizinische Fachwissen.
Bewertungsbogen
Das strukturierte Formular, mit dem jedes Kommissionsmitglied Ihre Leistung getrennt nach Kriterien bewertet. Die Kammern arbeiten nach einem einheitlichen Schema mit eigenen Kriterien für jeden der drei Prüfungsteile.
Hörverstehen
Die Fähigkeit, gesprochenes Deutsch unter realen Bedingungen zu verstehen, also mit Dialekt, Umgangssprache und Nebengeräuschen. In der FSP entscheidet das Hörverstehen im ersten Teil darüber, welche Informationen Ihnen später für Dokumentation und Fallvorstellung überhaupt zur Verfügung stehen.
GER-Niveau C1
Die vierte von sechs Stufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Für ärztliche Berufe verlangen die Länder seit dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz von 2014 fachsprachliche Kenntnisse orientiert am Niveau C1 auf einer allgemeinsprachlichen Basis von B2.