FSP-Vokabeltest: Ablauf je Bundesland

Die Frage, die jede Woche wieder auftaucht
Neulich fragte ein Kollege aus Albanien in einem Forum, wie die Fachsprachprüfung in Hessen abläuft. Er kannte die drei Teile: Patientengespräch, Dokumentation, Arzt-Arzt-Gespräch. Den Vokabeltest erwähnte er mit keinem Wort. Dabei ist er in Hessen der allererste Teil des Prüfungstags.
Das ist kein Einzelfall. In Facebook-Gruppen und auf Reddit lese ich dieselben Fragen immer wieder: Wie viele Wörter? Latein oder Deutsch? Gibt es eine Liste? Kann man deswegen durchfallen?
Ich verstehe die Unruhe. In meiner ersten Visite war mein Wissen da, meine Wörter aber nicht. Ein Vokabeltest ist genau diese Situation, nur auf Papier und ohne Kontext. Die gute Nachricht: Er ist der einzige Teil der FSP, den Sie zu Hause vollständig vorbereiten können.
Was ist der Vokabeltest in der FSP?
- Vokabeltest (FSP)
Ein schriftlicher Zusatzteil der Fachsprachprüfung in einigen Bundesländern. Prüflinge übersetzen gebräuchliche medizinische Fachbegriffe in deutsche Alltagssprache, je nach Kammer auch in die Gegenrichtung.
Die Landesärztekammer Hessen beschreibt ihn als „Abfrage grundlegender medizinischer Terminologie“. Das trifft es gut. Gefragt sind keine seltenen Syndrome, sondern Wörter, die Sie jeden Tag auf Station hören: Symptome, Diagnosen, Untersuchungen, Körperteile.
Wie in der ganzen FSP wird nur Ihre Sprache bewertet, nicht Ihr medizinisches Wissen. Der Test prüft also nicht, ob Sie wissen, was eine Obstipation ist. Er prüft, ob Sie dem Patienten das richtige deutsche Wort dafür geben können.
In welchen Bundesländern gibt es einen Vokabeltest?
Hier zeigt sich der Föderalismus von seiner kreativsten Seite. Jede Kammer gestaltet den Teil anders. Die Tabelle fasst zusammen, was die Merkblätter der Kammern beschreiben (Stand: November 2026).
| Bundesland | Wann | Umfang und Richtung |
|---|---|---|
| Hessen | Ganz am Anfang, eigener Teil | 20 Minuten, unter Aufsicht, ohne Hilfsmittel |
| Hamburg | Zum Abschluss | 15 Fachbegriffe ins Deutsche übersetzen |
| Niedersachsen | Am Ende des dritten Teils | 12 Vokabeln, Fachbegriff ins Deutsche und umgekehrt |
| Bremen | Zum Abschluss | Kurze Liste, deutsche Bezeichnungen eintragen |
| Thüringen | Zum Abschluss | Kurze Liste, deutsche Bezeichnungen eintragen |
| Berlin | Im dritten Teil | 5 Fachbegriffe ins Deutsche, 2 Abkürzungen ergänzen, 3 Laborwerte vorlesen |
| Rheinland-Pfalz (Mainz) | Zusatzteil Verständnistest | 20 Fachbegriffe ins Patientendeutsch, 20 deutsche Begriffe ins Lateinische oder Griechische, 3 Aufgaben am Körperschema |
| Sachsen-Anhalt | Im Block mit Zusatzaufgaben | Vokabelliste in Patientensprache, Ortsangaben am Körperschema |
| Baden-Württemberg | Am Ende des Arzt-Arzt-Gesprächs | Kurze Liste gebräuchlicher Fachbegriffe, deutsche Entsprechung nennen |
In den übrigen Ländern weisen die Merkblätter keinen eigenen Vokabelteil aus. Fachbegriffe prüft man dort trotzdem, nämlich mündlich im Arzt-Arzt-Gespräch. Vorbereitungsanbieter berichten außerdem aus einzelnen Kammern von kurzen Begriffsabfragen, die in keinem offiziellen Dokument stehen. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Kammer nach. Und wenn Sie statt der FSP die FaMed ablegen: Die kommt ohne separaten Vokabeltest aus, wie der Vergleich von FSP, telc und FaMed zeigt.
In welche Richtung wird übersetzt?
Das ist die Frage, die am meisten verunsichert. Es gibt drei Varianten.
1. Vom Fachbegriff in die Alltagssprache. Das ist der Normalfall, etwa in Hamburg, Bremen und Thüringen. Sie bekommen den Fachbegriff und schreiben den Laienbegriff daneben.
- Laienbegriff
Das Wort aus der Alltagssprache, das Patientinnen und Patienten verstehen, zum Beispiel Atemnot für Dyspnoe oder Verstopfung für Obstipation. Im Vokabeltest ist meistens dieses Wort gefragt.
2. In beide Richtungen. Niedersachsen verlangt laut Infoblatt der Kammer die Übersetzung „in die jeweiligen deutschsprachigen Bezeichnungen und umgekehrt“. Dann müssen Sie auch vom Alltagswort zurück zum Fachbegriff.
3. Ins Lateinische oder Griechische. In Mainz übersetzen Sie zwanzig deutsche Begriffe zurück in die Fachsprache, also vom Schienbein zur Tibia.
So sieht das in der Praxis aus. Die Beispiele sind typische Begriffe, keine echte Prüfungsliste:
| Fachbegriff | Alltagssprache |
|---|---|
| Dyspnoe | Atemnot |
| Obstipation | Verstopfung |
| Zephalgie | Kopfschmerzen |
| Pruritus | Juckreiz |
| Synkope | Ohnmacht, kurze Bewusstlosigkeit |
| Pyrosis | Sodbrennen |
| Hämaturie | Blut im Urin |
| Ikterus | Gelbsucht |
| Tibia | Schienbein |
| Pankreas | Bauchspeicheldrüse |
In Berlin kommen zwei Sonderaufgaben dazu. Bei den Abkürzungen schreiben Sie zum Beispiel „i.v.“ als „intravenös“ aus. Bei den Laborwerten lesen Sie Zahl und Einheit korrekt vor: „Hb 11,2 g/dl“ wird zu „Hämoglobin elf Komma zwei Gramm pro Deziliter“. Klingt banal. Unter Prüfungsdruck ist es das nicht.
Die häufigste Richtung, vom Fachbegriff zur Alltagssprache, können Sie mit dem Video üben: zehn Begriffe aus der Anamnese, drei Sekunden pro Wort, laut gesprochen.
Kann man wegen des Vokabeltests durchfallen?
Ehrliche Antwort: In einem Land ganz sicher, in den anderen weiß man es nicht genau.
In Rheinland-Pfalz hat jeder Prüfungsteil eine Mindestpunktzahl. Verfehlen Sie sie in einem abgeschlossenen Teil, bricht die Kommission die Prüfung ab. Der Verständnistest ist dort also eine echte Hürde. Die Kammer gibt außerdem klare Regeln vor: eine einzige Übersetzung pro Begriff, keine Erklärung, Substantive groß und alles andere klein.
In Hamburg wird die ganze Prüfung mit Minuspunkten bewertet, ab zwölf Minuspunkten ist sie nicht bestanden. Wie viel davon auf den Vokabeltest entfallen kann, sagt die Ärztekammer Hamburg nicht. Auch Hessen und Niedersachsen veröffentlichen keine Gewichtung.
Mein Rat: Behandeln Sie den Vokabeltest wie einen vollwertigen Teil. Wer dort ruhig und sicher startet, geht mit einem ganz anderen Gefühl ins Patientengespräch. In Hessen ist das wörtlich so, denn dort kommt er zuerst.
Gibt es eine offizielle Vokabelliste?
Nein. Keine Kammer veröffentlicht die Begriffe. Die Listen, die in Gruppen als PDF kursieren, sind Gedächtnisprotokolle anderer Prüflinge. Sie sind nützlich, um ein Gefühl für das Niveau zu bekommen. Als Lernplan taugen sie nicht, denn die Begriffe wechseln.
Was stattdessen funktioniert: den Grundwortschatz systematisch nach Fachrichtungen lernen. Die häufigen Begriffe der Inneren Medizin, Chirurgie, Neurologie und Gastroenterologie decken den Großteil ab. Dazu die Körperteile, weil Mainz und Sachsen-Anhalt Ortsangaben am Körperschema verlangen.
- Körperschema
Eine Umrisszeichnung des menschlichen Körpers, auf der Prüflinge Ortsangaben einzeichnen, etwa unterhalb des rechten Kniegelenks. In Mainz und in Sachsen-Anhalt gehört eine solche Aufgabe zum Vokabelteil.
Viele Begriffe müssen Sie gar nicht einzeln lernen. Wer weiß, dass „-itis“ Entzündung heißt und „Hepat-“ Leber, leitet Hepatitis selbst ab. Die wichtigsten Vor- und Endsilben finden Sie im Artikel medizinische Fachbegriffe in Laiensprache.
Die fünf häufigsten Fehler im Vokabeltest
- Erklären statt übersetzen. Gefragt ist ein Wort, keine Definition. Für „Pyrosis“ reicht „Sodbrennen“. Ein ganzer Satz kostet Zeit und kann neue Fehler einbauen.
- Einen Fachbegriff mit einem anderen Fachbegriff übersetzen. „Hypertonie“ wird nicht zu „Hypertension“, sondern zu „Bluthochdruck“. Der Prüfer will das Wort, das der Patient versteht.
- Die Muttersprache rutscht rein. Mein Kopf lieferte mir jahrelang zuerst das französische Wort. „Constipation“ sieht auf dem Papier erstaunlich überzeugend aus, ist aber kein Deutsch.
- Nur eine Richtung lernen. Wer Dyspnoe zu Atemnot kann, kommt von Atemnot noch lange nicht zurück zu Dyspnoe. Niedersachsen und Mainz prüfen genau das.
- Groß- und Kleinschreibung vergessen. Im Fließtext verzeiht man Ihnen das eher. In einer Vokabelliste fällt jedes klein geschriebene Substantiv auf, und in Mainz steht die Regel sogar ausdrücklich im Merkblatt.
Die Wahrheit über das Vokabellernen
Hier ist der Punkt, den ich am liebsten jedem Kollegen vor der Prüfung sagen würde: Sie scheitern selten daran, ein Wort nicht zu kennen. Sie scheitern daran, es ohne Kontext abzurufen. Im Gespräch hilft Ihnen der Patient, der Fall, die Situation. Im Vokabeltest steht da nur ein einzelnes Wort.
Deshalb bringt es wenig, eine Liste zehnmal durchzulesen. Lesen ist Wiedererkennen. Der Test verlangt Abrufen. Was dafür wirklich wirkt, sind Karteikarten, die Sie zwingen, die Antwort selbst zu produzieren, und Wiederholungen in wachsenden Abständen.
- Spaced Repetition (verteiltes Wiederholen)
Eine Lernmethode, bei der ein Begriff in wachsenden Abständen wiederholt wird, kurz bevor man ihn vergessen würde. Was sitzt, kommt seltener, was hakt, öfter.
Fünf Methoden dafür, vom Baukastenprinzip bis zum lauten Sprechen, habe ich im Artikel Fachbegriffe Medizin lernen beschrieben.
So üben Sie den Vokabeltest mit FSP Trainer
Wir haben FSP Trainer für genau diese Lücke zwischen Wissen und Abrufen gebaut. Für den Vokabeltest sind drei Module besonders nützlich.
Der Vokabeltrainer. Jeder Fachbegriff steht auf einer digitalen Karteikarte zusammen mit seinem Wort aus der Alltagssprache, sortiert nach 15 Fachrichtungen. Sie rufen die Antwort zuerst selbst ab, drehen dann die Karte um und hören die Aussprache. Spaced Repetition legt Ihnen jeden Begriff genau dann wieder vor, wenn Sie ihn zu vergessen beginnen. So trainieren Sie beide Richtungen, also auch den Weg zurück zum Fachbegriff, den Niedersachsen und Mainz prüfen. Im kostenlosen Basis-Paket ist der Vokabeltrainer unbegrenzt nutzbar. Probieren Sie ihn direkt hier aus:
Die klinischen Fälle. Einzelne Wörter vergessen sich schneller als Wörter in einer Geschichte. In den klinischen Fällen gehört zu jedem der über 60 Fälle das passende Fachvokabular. Der Übungsmodus fragt es unter anderem als Lückentext Fachsprache ab und plant die nächste Wiederholung automatisch.
Die FSP-Simulation. Im Arzt-Arzt-Gespräch müssen Sie dieselben Begriffe frei und laut benutzen. In der FSP-Simulation stellen Sie den Fall vor wie im dritten Teil und sehen danach, wo Ihnen Fachsprache gefehlt hat.
Ihr erster Schritt heute
Schauen Sie in der Tabelle oben nach, was Ihre Kammer verlangt. Dann nehmen Sie sich heute zehn Begriffe aus einer Fachrichtung vor und lernen Sie sie in beide Richtungen, also vom Fachbegriff zum Alltagswort und zurück. Morgen wiederholen Sie die zehn, bevor zehn neue dazukommen.
Zehn Begriffe am Tag sind nach einem Monat dreihundert. Das ist kein Wunder, nur Konsequenz. Und der Vokabeltest wird vom Teil, über den Sie nichts wussten, zu dem Teil, auf den Sie sich am meisten freuen. Na gut, fast.
Die offiziellen Angaben finden Sie bei der Landesärztekammer Hessen, im Infoblatt der Ärztekammer Niedersachsen und bei der Bezirksärztekammer Rheinhessen in Mainz.
Sprechen. Üben. Bestehen.
Häufige Fragen
Was ist der Vokabeltest in der Fachsprachprüfung?+
Ein kurzer schriftlicher Zusatzteil, den einige Landesärztekammern zur Fachsprachprüfung hinzufügen. Sie übersetzen gebräuchliche medizinische Fachbegriffe in die deutsche Alltagssprache, je nach Kammer auch umgekehrt. Geprüft wird die Sprache, nicht Ihr medizinisches Wissen.
In welchen Bundesländern gibt es einen Vokabeltest in der FSP?+
Nach den Merkblättern der Kammern (Stand November 2026) in Hessen, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. In Berlin gehört eine kleine Begriffsabfrage zum dritten Teil. Die FaMed hat keinen separaten Vokabeltest.
Wie viele Begriffe kommen im FSP-Vokabeltest dran?+
Das hängt von der Kammer ab. Berlin fragt fünf Fachbegriffe ab, Niedersachsen zwölf, Hamburg fünfzehn und Mainz in Rheinland-Pfalz vierzig, dazu Aufgaben am Körperschema. Hessen nennt keine Zahl, sondern eine Dauer von 20 Minuten.
In welche Richtung muss ich im Vokabeltest übersetzen?+
Meistens vom Fachbegriff ins Deutsche, also zum Beispiel Dyspnoe zu Atemnot. In Niedersachsen übersetzen Sie in beide Richtungen, in Mainz zusätzlich deutsche Begriffe ins Lateinische oder Griechische. Lernen Sie deshalb immer beide Seiten eines Begriffspaars.
Kann ich wegen des Vokabeltests durchfallen?+
In Rheinland-Pfalz ja: Dort hat jeder Teil eine Mindestpunktzahl, und wer sie verfehlt, dessen Prüfung wird abgebrochen. Die anderen Kammern veröffentlichen nicht, wie stark der Vokabeltest in die Gesamtbewertung eingeht. Behandeln Sie ihn deshalb als vollwertigen Prüfungsteil.
Gibt es eine offizielle Vokabelliste für die Fachsprachprüfung?+
Nein. Keine Landesärztekammer veröffentlicht eine Liste der Begriffe. Gefragt werden gebräuchliche Fachbegriffe aus dem Klinikalltag: häufige Symptome, Diagnosen, Untersuchungen und Körperteile. Listen aus Büchern oder Foren sind Sammlungen anderer Prüflinge, keine Prüfungslisten.
Darf ich im Vokabeltest ein Wörterbuch benutzen?+
Rechnen Sie nicht damit. In Hessen sind Smartphone, digitale Hilfsmittel und Bücher im Vokabeltest ausdrücklich verboten. Wo eine Kammer ein medizinisches Wörterbuch bereitstellt, etwa in Niedersachsen, gilt das für die schriftliche Dokumentation, nicht für die Vokabeln.
Gibt es bei der FaMed einen Vokabeltest?+
Nein. Die FaMed besteht aus fünf Gesprächs- und Schreibsituationen und kommt ohne separaten Vokabeltest aus. Fachbegriffe brauchen Sie trotzdem, vor allem in der Patientenvorstellung und im Arztbrief.
Glossar
- Vokabeltest (FSP)
- Ein schriftlicher Zusatzteil der Fachsprachprüfung in einigen Bundesländern. Prüflinge übersetzen gebräuchliche medizinische Fachbegriffe in deutsche Alltagssprache, je nach Kammer auch in die Gegenrichtung.
- Laienbegriff
- Das Wort aus der Alltagssprache, das Patientinnen und Patienten verstehen, zum Beispiel Atemnot für Dyspnoe oder Verstopfung für Obstipation. Im Vokabeltest ist meistens dieses Wort gefragt.
- Körperschema
- Eine Umrisszeichnung des menschlichen Körpers, auf der Prüflinge Ortsangaben einzeichnen, etwa unterhalb des rechten Kniegelenks. In Mainz und in Sachsen-Anhalt gehört eine solche Aufgabe zum Vokabelteil.
- Spaced Repetition (verteiltes Wiederholen)
- Eine Lernmethode, bei der ein Begriff in wachsenden Abständen wiederholt wird, kurz bevor man ihn vergessen würde. Was sitzt, kommt seltener, was hakt, öfter.



