FaMed-Prüfung: Ablauf, Stationen, Bewertung

Dr. Yanis von FSP Trainer7 Min. Lesezeit
Ärztin mit Headset vor dem Laptop, wie in der digitalen FaMed-Prüfung mit Kopfhörer am Bildschirm
Foto: Karola G / Pexels

In diesem Artikel:

  1. Was ist die FaMed?
  2. Der Ablauf auf einen Blick
  3. Station A: Anamnese und Aufklärung
  4. Station B: zwei Patientenvorstellungen
  5. Station C: der Arztbrief nach dem Video
  6. Wie wird die FaMed bewertet?
  7. So bereiten Sie sich auf die FaMed vor

Ich habe die FSP gemacht, nicht die FaMed

Ich sage es gleich am Anfang: Meine eigene Sprachprüfung war die FSP vor der Ärztekammer, mit einer Kommission am Tisch und einem Fall, der sich durch alle drei Teile zog. Die FaMed kenne ich aus zweiter Hand, von einer Kollegin, die sie abgelegt hat, und aus den Unterlagen des Anbieters.

Die Kollegin rief mich am Abend nach der Prüfung an. Sie sagte nicht „Es war schwer“. Sie sagte: „Die Uhr. Ich habe die ganze Zeit auf die Uhr geschaut.“ Fünf Situationen, jede mit einer harten Grenze, und am Ende kein Ergebnis, sondern vier Wochen Warten.

Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf den Ablauf. Wer weiß, was in jeder Minute kommt, hat den Kopf frei für das, was wirklich zählt: die Sprache.

Was ist die FaMed?

FaMed

Die Fachsprachenprüfung Medizin auf C1-Niveau, angeboten von der digiFORT GmbH in Kassel und wissenschaftlich an der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt. Sie läuft digital ab und besteht aus fünf unabhängigen Situationen in drei Stationen.

Die FaMed ist eine Alternative zur Fachsprachprüfung der Landesärztekammer. Sie folgt denselben Vorgaben der Gesundheitsministerkonferenz: Sie zeigen, dass Sie mit Patienten und Kollegen auf C1-Niveau sicher kommunizieren und sauber dokumentieren.

Ein paar Eckdaten (Stand Oktober 2026, laut famed-test.de):

  • Prüfungszentren: Mainz, Kassel und Nürnberg. Sie sitzen vor Ort am Computer, die Prüfung findet nicht online von zu Hause statt.
  • Gebühr: 530 Euro. Das Ergebnis kommt nach etwa vier Wochen.
  • Format: seit dem 1. August 2024 einheitlich für Rheinland-Pfalz und Bayern.
  • Voraussetzung: Für Rheinland-Pfalz laden Sie bei der Anmeldung ein B2-Zertifikat hoch.
  • Fächer: Die Fälle kommen aus Allgemeinmedizin, Innerer Medizin und Chirurgie.

Anerkannt wird die FaMed nicht überall. Rheinland-Pfalz und Bayern akzeptieren sie, Baden-Württemberg, wenn das Zertifikat schon mit dem Antrag eingereicht wird, Hessen nur für Abschlüsse aus der EU. In anderen Ländern entscheidet die Behörde im Einzelfall. Welcher Nachweis in welchem Land zählt, zeigt der Vergleich FSP, telc oder FaMed. Klären Sie es mit Ihrer Approbationsbehörde, bevor Sie buchen.

Der Ablauf auf einen Blick

Sie sitzen allein in einem Raum, mit Kopfhörer vor einem Bildschirm. Ihr Gegenüber ist immer ein Schauspieler, nie ein Prüfer. Alles wird aufgezeichnet und später bewertet.

StationSituationZeitGegenüberSprache
A Arzt-Patient1. Anamnesegesprächmax. 11 Min.SchauspielpatientAlltagssprache
2. Aufklärungsgesprächmax. 11 Min.SchauspielpatientAlltagssprache
B Arzt-Arzt3. Patientenvorstellung Innere Medizinmax. 11 Min.Chefarzt (gespielt)Fachsprache
4. Patientenvorstellung Chirurgiemax. 11 Min.Chefarzt (gespielt)Fachsprache
C Schriftlich5. Arztbrief, Anamneseteil22 Min. mit VideoniemandFachsprache, Konjunktiv I

Drei Regeln für den Ablauf:

  • Die Reihenfolge von A und B wechselt. Die schriftliche Station C kommt immer zuletzt.
  • Für jede mündliche Station rechnet der Anbieter 23 Minuten mit Lesezeit.
  • Zwischen den Stationen haben Sie eine Minute Pause. Insgesamt sind Sie rund 70 Minuten in der Prüfung.

Der größte Unterschied zur FSP: Die fünf Situationen haben nichts miteinander zu tun. Sie beginnen fünfmal von vorn, mit einem neuen Patienten und neuen Informationen.

Station A: Anamnese und Aufklärung

Das Anamnesegespräch (11 Minuten)

Sie sind Hausärztin oder Hausarzt, und ein Patient kommt in Ihre Praxis. Sie kennen vorher nur seinen Namen. In 11 Minuten erheben Sie die Krankengeschichte: aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Noxen, Familie, soziales Umfeld.

Zwei Punkte unterscheiden die FaMed von vielen Kammerprüfungen:

  • Der Patient stellt eigene Fragen, zum Beispiel ob er ansteckend ist oder wann er wieder Sport machen darf. Darauf gehen Sie ein.
  • Am Ende fassen Sie zusammen und erklären dem Patienten, wie es weitergeht. Wer nach der letzten Frage einfach aufhört, verschenkt einen Teil der Aufgabe.

Erfahrungsberichte beschreiben sehr unterschiedliche Patienten: manche reden ohne Pause, andere antworten nur mit einem Wort, manche sind gereizt. Freundlich unterbrechen und gezielt nachfragen gehört deshalb zur Prüfung. Einen Zeitplan für die 11 Minuten und Redemittel für jeden Patiententyp finden Sie im Artikel Anamnesegespräch in der FaMed.

Das Aufklärungsgespräch (11 Minuten)

Aufklärungsgespräch

Das Gespräch vor einem Eingriff oder einer Untersuchung, in dem die Ärztin oder der Arzt Ablauf, Risiken und Verhaltensregeln in verständlicher Sprache erklärt.

Hier bekommen Sie ein Blatt mit allem, was Sie brauchen: der Eingriff, die Dauer, der Grund, der Ablauf, die allgemeinen Risiken, die speziellen Risiken mit Häufigkeit und die Regeln vor und nach dem Eingriff. Laut Erfahrungsberichten sind das nicht nur Operationen, sondern auch Untersuchungen wie eine Magen- oder Darmspiegelung.

Ihre Aufgabe ist die Übersetzung. Auf dem Blatt steht zum Beispiel „Nachblutung, ca. 1:100“. Zum Patienten sagen Sie: „Bei etwa einem von hundert Patienten blutet es nach dem Eingriff nach. Dann müssen wir die Stelle unter Umständen noch einmal versorgen.“ Der Patient fragt nach, oft mit Bezug auf sein Leben: seine Arbeit, seinen Sport, seine Familie.

Wie Sie Risiken mit Häufigkeit verständlich erklären, zeigt der Artikel Aufklärung in der FaMed: Risiken erklären.

Station B: zwei Patientenvorstellungen

Patientenvorstellung

Die strukturierte Vorstellung eines Patienten vor einer Kollegin oder einem Kollegen in Fachsprache. In der FaMed findet sie bei einer gespielten Chefarztvisite statt.

Jetzt wechseln Sie das Register. Sie stellen einen Patienten aus der Inneren Medizin und einen aus der Chirurgie vor, jeweils einem Chefarzt, der von einem Schauspieler gespielt wird.

Alle Daten stehen auf einem Informationsblatt: Diagnose, Vorgeschichte, Symptome, Vorerkrankungen, Medikamente, Befunde, Laborwerte, Verlauf und das weitere Vorgehen. Laut Erfahrungsberichten sind die Symptome dort oft in Alltagssprache beschrieben. Sie tragen sie in Fachsprache vor: aus „bläulichen Lippen“ wird eine zentrale Zyanose.

Danach stellt der Chefarzt Rückfragen. Und hier liegt die gute Nachricht: Er fragt nach dem, was auf dem Blatt steht, etwa „Auf welcher Seite?“ oder „Wurde die Patientin schon aufgeklärt?“. Fragen zu Differenzialdiagnosen oder Therapie gehören nicht zur FaMed. Fragt er doch einmal nach etwas, das nicht auf dem Blatt steht, antworten Sie ruhig: „Das ist mir nicht bekannt, das kläre ich.“

Die Gliederung in sechs Punkten mit einem kompletten Beispiel finden Sie im Artikel Patientenvorstellung in der FaMed.

Station C: der Arztbrief nach dem Video

Zum Schluss sehen Sie ein kurzes Video mit einem Arzt-Patienten-Gespräch. Sie dürfen es anhalten und zurückspulen. Daraus schreiben Sie am Computer den Anamneseteil eines Arztbriefs, in ganzen Sätzen. Für alles zusammen, Video und Schreiben, haben Sie 22 Minuten.

In den Brief gehören laut Anbieter: Name, Alter, Gewicht und Größe, falls genannt, die aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente, Nikotin und Alkohol, Familien- und Sozialanamnese und, wenn relevant, Reisen. Aussagen des Patienten geben Sie mit Distanz wieder, also im Konjunktiv I.

Konjunktiv I

Die Verbform der indirekten Rede. Im Arztbrief gibt sie Aussagen des Patienten mit Distanz wieder, zum Beispiel: Der Patient gibt an, er habe seit drei Tagen Fieber.

Der Unterschied zur FSP: Sie schreiben nur die Anamnese, nicht den ganzen Brief, und Sie tippen statt zu schreiben. Einen Zeitplan für die 22 Minuten, ein Notizraster und die Regeln des Konjunktiv I finden Sie im Artikel FaMed-Arztbrief: Anamnese im Konjunktiv I.

Wie wird die FaMed bewertet?

Die Aufnahmen werden später von einem Team aus einer Ärztin oder einem Arzt und einer Fachperson für Deutsch als Fremdsprache bewertet. Am Prüfungstag erfahren Sie nichts.

Jede Situation wird einzeln nach vier Gruppen von Kriterien bewertet:

  1. Passt die Textsorte? Ist das Gespräch ein echtes Anamnesegespräch, der Brief ein echter Brief?
  2. Passt der Umgang? Gehen Sie auf Ihr Gegenüber ein, sind Sie höflich, führen Sie das Gespräch?
  3. Ist die Sprache korrekt? Aussprache, Grammatik, Wortschatz, im Brief auch Rechtschreibung.
  4. Wie ist der Gesamteindruck?

Dazu zählt, wie flüssig Sie sprechen: lange Pausen und viele „äh“ fallen auf. Der Anbieter beschreibt das C1-Niveau so, dass Sie sprechen, ohne öfter deutlich nach Worten zu suchen (siehe die Anforderungen auf famed-test.de). Ein Akzent ist kein Problem, solange man Sie versteht.

Die Wahrheit: Fachwissen rettet Sie hier nicht

Viele hören „Fachwissen wird nicht geprüft“ und denken: Dann ist die FaMed leichter. Ich glaube, das ist ein Missverständnis.

In der FSP kann ein Kandidat mit starkem Fachwissen manchen sprachlichen Wackler ausgleichen, weil die Prüfer merken, dass er den Fall versteht. In der FaMed geht das nicht. Alle Informationen stehen auf dem Bildschirm, alle Kandidaten wissen dasselbe. Der einzige Unterschied zwischen Ihnen und dem nächsten Kandidaten ist, wie Sie es sagen.

Das ist auch eine gute Nachricht. Sie müssen keine Leitlinien auswendig lernen. Sie müssen ein paar Dinge so oft geübt haben, dass sie automatisch kommen: das Umschalten zwischen Alltagssprache und Fachsprache, eine feste Struktur für jede Situation und den Konjunktiv I.

So bereiten Sie sich auf die FaMed vor

  1. Üben Sie mit Stoppuhr. 11 Minuten sind kürzer, als sie klingen. Spielen Sie jede Situation mit einem Timer durch, bis Sie spüren, wann Sie zur Zusammenfassung kommen müssen.
  2. Üben Sie alle fünf Situationen, nicht nur Ihre Lieblingssituation. Wegen der 60 % pro Station entscheidet Ihre schwächste Station über das Ergebnis.
  3. Trainieren Sie das Umschalten. Nehmen Sie ein Informationsblatt und sagen Sie jeden Punkt zweimal: einmal für den Patienten, einmal für den Chefarzt.
  4. Sammeln Sie Risiken mit Häufigkeiten. „Selten“, „gelegentlich“, „einer von hundert“: Diese Wörter brauchen Sie in jeder Aufklärung.
  5. Tippen Sie den Brief. Schreiben Sie Ihre Übungsbriefe am Computer, mit einem Audio oder Video, das Sie anhalten dürfen, und 22 Minuten auf der Uhr.
  6. Sprechen Sie laut. Fluss entsteht nicht im Kopf. Er entsteht, wenn Sie dieselben Sätze zwanzig Mal ausgesprochen haben. Welche Sätze sich lohnen, steht in Redemittel für die FaMed.

Und falls es beim ersten Mal nicht klappt: Was Sie nach einem Nichtbestehen tun, vom Nachgespräch bis zum neuen Termin, steht in FaMed nicht bestanden: Was jetzt?.

Welche Themen dabei typischerweise drankommen, habe ich in FaMed-Themen: Welche Fälle drankommen gesammelt. Ob für Sie überhaupt die FaMed oder die FSP die bessere Wahl ist, klärt der Vergleich FaMed oder FSP?.

Im FaMed-Training von FSP Trainer spielen Sie die fünf Situationen in der Reihenfolge und mit den Zeiten der Prüfung durch: mit einem Patienten, der Rückfragen stellt, einem Chefarzt, der nachhakt, und einem Arztbrief nach einem gehörten Gespräch. Nach jeder Situation sehen Sie, wie Ihre Sprache abgeschnitten hat. FSP Trainer ist unabhängig und nicht mit dem Anbieter der FaMed verbunden.

Der eine Schritt für heute

Stellen Sie einen Timer auf 11 Minuten. Nehmen Sie einen beliebigen Patienten aus Ihrem Alltag und erklären Sie ihm laut eine Magenspiegelung, als säße er vor Ihnen: Ablauf, zwei Risiken mit Häufigkeit, was er danach beachten muss, und am Ende die Frage, ob er noch etwas wissen möchte.

Wenn der Timer klingelt, wissen Sie, wie sich die FaMed anfühlt. Und Sie wissen, woran Sie morgen arbeiten.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Wie läuft die FaMed-Prüfung ab?+

Die FaMed besteht aus drei Stationen mit fünf unabhängigen Situationen. Station A: ein Anamnesegespräch und ein Aufklärungsgespräch mit Schauspielpatienten. Station B: zwei Patientenvorstellungen bei einer gespielten Chefarztvisite. Station C: der Anamneseteil eines Arztbriefs nach einem kurzen Video. Die Reihenfolge von A und B wechselt, der Arztbrief kommt immer zuletzt.

Wie lange dauert die FaMed?+

Jede der vier Gesprächssituationen dauert höchstens 11 Minuten, für den Arztbrief haben Sie 22 Minuten inklusive Video. Mit Lesezeit und je einer Minute Pause zwischen den Stationen sind Sie rund 70 Minuten in der Prüfung.

Wie wird die FaMed bewertet?+

Bewertet wird nur die Sprache, nicht Ihr medizinisches Wissen. Die Gespräche werden aufgezeichnet und später von einer Ärztin oder einem Arzt und einer Fachperson für Deutsch als Fremdsprache bewertet: Passt die Gesprächsform, gehen Sie auf Ihr Gegenüber ein, sind Grammatik, Wortschatz und Aussprache korrekt, und wie flüssig sprechen Sie.

Wann ist die FaMed bestanden?+

Wenn Sie in jeder der drei Stationen mindestens 60 % erreichen. Eine starke Station gleicht eine schwache nicht aus. Wer die Prüfung abbricht, hat nicht bestanden.

Wird in der FaMed medizinisches Fachwissen geprüft?+

Nein. Alle medizinischen Informationen stehen vor dem Gespräch auf dem Bildschirm, und der Chefarzt fragt nur nach Angaben aus dem Informationsblatt. Geprüft wird, wie Sie diese Informationen in Alltagssprache für den Patienten und in Fachsprache für den Kollegen formulieren.

Wie viel kostet die FaMed und wann kommt das Ergebnis?+

Die Prüfung kostet 530 Euro (Stand Oktober 2026). Das Ergebnis kommt in der Regel etwa vier Wochen nach der Prüfung per E-Mail, das Zertifikat digital. Wer nicht besteht, kann sich jederzeit neu anmelden.

Wo kann ich die FaMed ablegen?+

In den Prüfungszentren in Mainz, Kassel und Nürnberg. Die Prüfung findet vor Ort am Computer statt, nicht online von zu Hause. Seit dem 1. August 2024 gilt ein einheitliches Format für Rheinland-Pfalz und Bayern.

Glossar

FaMed
Die Fachsprachenprüfung Medizin auf C1-Niveau, angeboten von der digiFORT GmbH in Kassel und wissenschaftlich an der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt. Sie läuft digital ab und besteht aus fünf unabhängigen Situationen in drei Stationen.
Station
Ein Prüfungsblock der FaMed. Station A prüft die Arzt-Patienten-Kommunikation, Station B die Arzt-Arzt-Kommunikation, Station C das Schreiben. Jede Station muss für sich bestanden werden.
Aufklärungsgespräch
Das Gespräch vor einem Eingriff oder einer Untersuchung, in dem die Ärztin oder der Arzt Ablauf, Risiken und Verhaltensregeln in verständlicher Sprache erklärt.
Patientenvorstellung
Die strukturierte Vorstellung eines Patienten vor einer Kollegin oder einem Kollegen in Fachsprache. In der FaMed findet sie bei einer gespielten Chefarztvisite statt.
Konjunktiv I
Die Verbform der indirekten Rede. Im Arztbrief gibt sie Aussagen des Patienten mit Distanz wieder, zum Beispiel: Der Patient gibt an, er habe seit drei Tagen Fieber.
Laiensprache
Die Alltagssprache, in der Sie mit Patienten sprechen, zum Beispiel Atemnot statt Dyspnoe.