Patientenvorstellung in der FaMed: 6 Punkte

Dr. Yanis von FSP Trainer5 Min. Lesezeit
Ärzte und Pflegekräfte besprechen auf dem Krankenhausflur einen Patienten, wie bei der Chefarztvisite in der FaMed
Foto: RDNE Stock project / Pexels

„Stellen Sie mal vor.“

6:50 Uhr, meine erste große Visite in Deutschland. Der Oberarzt sah mich an und sagte nur: „Stellen Sie mal vor.“ Ich kannte den Patienten. Ich kannte seine Werte. Und mein Kopf war leer.

Nicht, weil mir die Medizin fehlte. Mir fehlte die Reihenfolge. Ich wusste nicht, womit ich anfangen sollte, also fing ich mit allem gleichzeitig an.

Die FaMed prüft genau diese Situation. Die gute Nachricht: Die Reihenfolge können Sie lernen, und dann trägt sie Sie.

Was erwartet Sie in Station B?

Patientenvorstellung

Die strukturierte Vorstellung eines Patienten vor einer Kollegin oder einem Kollegen in Fachsprache. In der FaMed findet sie bei einer gespielten Chefarztvisite statt.

Station B heißt Arzt-Arzt-Kommunikation. Sie sind Stationsärztin oder Stationsarzt und haben einen Patienten über die Notaufnahme aufgenommen. Jetzt stellen Sie ihn dem Chefarzt vor, gespielt von einem Schauspieler. Das passiert zweimal, mit zwei verschiedenen Patienten:

  • eine Patientenvorstellung aus der Inneren Medizin,
  • eine aus der Chirurgie.

Für jede haben Sie höchstens 11 Minuten. Laut Anbieter rechnet die Station mit Lesezeit 23 Minuten (siehe famed-test.de). Wie die übrigen Stationen ablaufen, steht in FaMed-Prüfung: Ablauf und Bewertung.

Informationsblatt

Das Blatt mit allen Daten des Patienten, das Sie in der FaMed vor der Patientenvorstellung lesen: Diagnose, Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Befunde, Verlauf und Procedere.

Laut Erfahrungsberichten sind die Beschwerden auf dem Blatt oft in Alltagssprache beschrieben, manchmal mit dem Fachbegriff in Klammern. Ihre eigentliche Arbeit ist also eine Übersetzung in die andere Richtung als im Patientengespräch: von der Alltagssprache in die Fachsprache.

Die Gliederung in 6 Punkten

Die Aufgabenstellung gibt eine Reihenfolge vor. Mit dieser Gliederung in sechs Punkten bleiben Sie sicher in ihr:

  1. Patient und Diagnose: Name, Alter, Aufnahmeanlass, Diagnose.
  2. Hauptbeschwerden: in Fachsprache, mit Beginn und Verlauf.
  3. Anamnese: Vorerkrankungen und Risikofaktoren, wenn relevant Sozial- und Familienanamnese.
  4. Bisherige Diagnostik: körperliche Untersuchung, Vitalparameter, Labor, apparative Diagnostik.
  5. Medikation und Allergien: bisherige und neu angesetzte Medikamente.
  6. Verlauf und Procedere: wie es dem Patienten seither geht und was geplant ist.
Procedere

Das geplante weitere Vorgehen: Untersuchungen, Therapie, Kontrollen, Entlassung.

Der Chefarzt erwartet einen Vortrag, der knapp und präzise ist. Lesen Sie nicht jede Zeile vor. Nennen Sie bei Untersuchung und Labor vor allem, was auffällig ist, und fassen Sie das Normale in einem Satz zusammen.

Ein Beispiel: vom Blatt zur Visite

Ein erfundener Fall aus der Chirurgie. Auf dem Informationsblatt steht unter anderem:

  • Herr Klaus Wagner, 61 Jahre, Diagnose: akute Sigmadivertikulitis ohne Komplikationen
  • seit zwei Tagen Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber bis 38,4 °C, Appetitlosigkeit
  • Bluthochdruck, raucht seit 30 Jahren etwa 20 Zigaretten am Tag
  • Druckschmerz im linken Unterbauch, keine Abwehrspannung
  • CRP 98 mg/l, Leukozyten 13.800/µl
  • CT des Bauchs: Entzündung am Sigma, kein Abszess, keine freie Luft
  • Ramipril 5 mg morgens; neu: Antibiotikum als Infusion, Schmerzmittel, flüssige Kost
  • Verlauf: Schmerzen rückläufig, fieberfrei, CRP fallend
  • Procedere: Kostaufbau, Darmspiegelung nach Abheilung

Daraus wird die Vorstellung:

„Herr Professor, ich möchte Ihnen Herrn Wagner vorstellen, einen 61-jährigen Patienten, der sich vorgestern über die Notaufnahme mit einer akuten unkomplizierten Sigmadivertikulitis vorgestellt hat.

Er klagte über seit zwei Tagen bestehende Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber bis 38,4 Grad und Inappetenz.

An Vorerkrankungen ist eine arterielle Hypertonie bekannt. Der Patient ist Raucher mit etwa 30 Packungsjahren.

In der körperlichen Untersuchung zeigte sich ein Druckschmerz im linken Unterbauch ohne Abwehrspannung. Laborchemisch waren das CRP mit 98 mg/l und die Leukozyten mit 13.800 pro Mikroliter erhöht. Im CT des Abdomens zeigte sich eine Sigmadivertikulitis ohne Abszess und ohne freie Luft.

Der Patient nimmt Ramipril 5 mg morgens ein. Wir haben eine intravenöse Antibiotikatherapie und eine Analgesie begonnen, dazu flüssige Kost.

Im Verlauf sind die Schmerzen rückläufig, der Patient ist fieberfrei, und das CRP ist fallend. Geplant sind der Kostaufbau und eine Koloskopie nach Abheilung der Entzündung.“

Achten Sie auf die kleinen Übersetzungen: Appetitlosigkeit wird zur Inappetenz, Schmerzmittel zur Analgesie, Darmspiegelung zur Koloskopie. Und auf die Zahl: 20 Zigaretten am Tag über 30 Jahre sind 30 Packungsjahre. Solche Umrechnungen zeigen dem Chefarzt, dass Sie in seiner Sprache denken.

Die Rückfragen des Chefarztes

Chefarztvisite

Die Visite mit der Chefärztin oder dem Chefarzt, bei der die Stationsärzte ihre Patienten kurz und strukturiert vorstellen.

Nach Ihrem Vortrag fragt der Chefarzt nach. Laut Erfahrungsberichten sind es meist zwei bis drei Fragen, und fast immer stehen die Antworten auf dem Blatt:

  • „Auf welcher Seite?“
  • „Wie hoch war das CRP bei Aufnahme?“
  • „Wer hat den Patienten gebracht?“
  • „Wurde der Patient schon aufgeklärt?“

Wissensfragen wie „Welche Differenzialdiagnosen haben Sie bedacht?“ gehören nicht zur FaMed.

Manchmal kommt aber eine Frage, deren Antwort nicht auf dem Blatt steht. Dann gilt: nicht raten.

„Das ist mir leider nicht bekannt. Ich kläre das direkt nach der Visite und melde mich bei Ihnen.“

Dieser Satz ist keine Schwäche. Er ist genau das, was ein guter Stationsarzt in der echten Visite sagt. Und wenn Sie eine Frage nicht verstanden haben, fragen Sie zurück: „Meinen Sie den Wert bei Aufnahme oder den aktuellen?“

Die Wahrheit: Weglassen ist eine Kompetenz

Viele Kandidaten wollen zeigen, dass sie alles gelesen haben, und tragen das ganze Blatt vor, Zeile für Zeile. Das kostet Zeit und Klarheit.

In der Klinik ist es umgekehrt: Der Chefarzt hat zwanzig Patienten vor sich. Er will in einer Minute wissen, wer der Patient ist, was er hat und was wir tun. Eine gute Vorstellung erkennt man daran, dass man das Unwichtige nicht hört. Normale Befunde fassen Sie zusammen, auffällige nennen Sie mit Zahl.

Redemittel für jeden der 6 Punkte

PunktRedemittel
1. Patient und Diagnose„Ich möchte Ihnen Frau/Herrn … vorstellen, eine/n …-jährige/n Patientin/Patienten, die/der sich mit … vorgestellt hat.“
2. Hauptbeschwerden„Sie/Er klagte über seit … bestehende …“, „Begleitend bestanden …“
3. Anamnese„An Vorerkrankungen sind … bekannt.“, „Als Risikofaktoren bestehen …“
4. Diagnostik„In der körperlichen Untersuchung zeigte sich …“, „Laborchemisch war … erhöht.“, „Im Röntgen-Thorax zeigte sich …“
5. Medikation„Die Patientin nimmt … ein.“, „Wir haben … angesetzt.“
6. Verlauf und Procedere„Im Verlauf ist … rückläufig.“, „Geplant ist …“, „Wir würden gern …“

Redemittel für alle fünf Situationen der FaMed, vom Anamnesegespräch bis zum Arztbrief, sammelt Redemittel für die FaMed. Den Aufbau einer Vorstellung in der FSP, mit Prüferfragen zum Fachwissen, finden Sie im Leitfaden zur Fallvorstellung. Welche Krankheitsbilder in der FaMed typischerweise vorkommen, steht in FaMed-Themen: Welche Fälle drankommen.

Im FaMed-Training von FSP Trainer stellen Sie Patienten einem Chefarzt vor, der Ihnen zuhört und dann nachhakt, auch einmal mit einer Frage, die nicht auf dem Blatt steht. Danach sehen Sie, welche der sechs Punkte vollständig waren. FSP Trainer ist unabhängig und nicht mit dem Anbieter der FaMed verbunden.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie einen Patienten, den Sie kennen, oder einen Fall aus einem Lehrbuch. Schreiben Sie die sechs Punkte als Überschriften auf ein Blatt und füllen Sie jeden mit höchstens zwei Sätzen. Dann tragen Sie die Vorstellung laut vor und stoppen die Zeit.

Wenn Sie unter drei Minuten bleiben und nichts Wichtiges fehlt, haben Sie das Wichtigste der Station B schon geübt: Reihenfolge und Kürze.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Wie ist die Patientenvorstellung in der FaMed aufgebaut?+

Sie stellen einen Patienten bei einer gespielten Chefarztvisite vor, in dieser Reihenfolge: Name, Alter, Aufnahmeanlass und Diagnose; Hauptbeschwerden; Anamnese mit Vorerkrankungen und Risikofaktoren; bisherige Diagnostik; Medikation und Allergien; Verlauf und weiteres Vorgehen. Danach stellt der Chefarzt Rückfragen.

Wie viele Patientenvorstellungen gibt es in der FaMed?+

Zwei: eine aus der Inneren Medizin und eine aus der Chirurgie. Sie bilden zusammen die Station B (Arzt-Arzt-Kommunikation). Jede dauert höchstens 11 Minuten.

Was fragt der Chefarzt in der FaMed?+

Er fragt nach Angaben aus dem Informationsblatt, zum Beispiel nach einem Laborwert, der betroffenen Seite oder dem Ablauf der Aufnahme. Wissensfragen zu Differenzialdiagnosen oder Therapie werden nicht gestellt, weil Fachwissen in der FaMed nicht bewertet wird.

Was antworte ich, wenn die Information nicht auf dem Blatt steht?+

Sagen Sie es offen und bieten Sie an, es zu klären: „Das ist mir leider nicht bekannt. Ich kläre das direkt nach der Visite.“ Raten wirkt unprofessionell, Ehrlichkeit wirkt sicher.

Was ist der Unterschied zur Fallvorstellung in der FSP?+

In der FSP stellen Sie Ihren eigenen Patienten aus dem Anamnesegespräch vor und beantworten fachliche Fragen. In der FaMed bekommen Sie alle Daten auf einem Informationsblatt, und der Chefarzt fragt nur nach dem, was dort steht.

Glossar

Patientenvorstellung
Die strukturierte Vorstellung eines Patienten vor einer Kollegin oder einem Kollegen in Fachsprache. In der FaMed findet sie bei einer gespielten Chefarztvisite statt.
Informationsblatt
Das Blatt mit allen Daten des Patienten, das Sie in der FaMed vor der Patientenvorstellung lesen: Diagnose, Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Befunde, Verlauf und Procedere.
Chefarztvisite
Die Visite mit der Chefärztin oder dem Chefarzt, bei der die Stationsärzte ihre Patienten kurz und strukturiert vorstellen.
Procedere
Das geplante weitere Vorgehen: Untersuchungen, Therapie, Kontrollen, Entlassung.