FaMed-Themen: Welche Fälle drankommen

Dr. Yanis von FSP Trainer4 Min. Lesezeit
Arzt mit Stethoskop macht sich Notizen auf einem Klemmbrett, Vorbereitung auf typische FaMed-Fälle
Foto: Ivan S / Pexels

Die Liste, die mir eine Kollegin geschickt hat

Ein paar Wochen vor ihrer FaMed schickte mir eine Kollegin ein Foto. Darauf: eine handschriftliche Liste mit über fünfzig Fällen, quer durch alle Fächer, abgeschrieben aus irgendeiner Gruppe. Darunter ihr Satz: „Wie soll ich das alles lernen?“

Ich kenne dieses Gefühl. Vor meiner eigenen Prüfung habe ich auch Protokolle gesammelt, als könnte ich die Prüfung damit vorher auswendig kennen.

Meine Antwort an sie war kurz: „Gar nicht. Nicht für die FaMed.“ Warum, erkläre ich hier. Und ich zeige Ihnen trotzdem, welche Themen laut Erfahrungsberichten immer wieder kommen, und was Sie mit dieser Liste sinnvoll anfangen.

Die Wahrheit: In der FaMed lernen Sie Wörter, keine Fälle

Prüfungsprotokoll

Ein Erfahrungsbericht eines Prüflings, der beschreibt, welcher Fall in der Prüfung drankam und welche Fragen gestellt wurden. Protokolle sind inoffiziell und ohne Gewähr.

In der FSP bringen Protokolle viel: Sie müssen den Fall verstehen, eine Verdachtsdiagnose stellen und Fachfragen beantworten. In der FaMed ist das anders. Alle medizinischen Informationen stehen vor dem Gespräch auf dem Bildschirm, und Fachwissen wird nicht bewertet (mehr dazu in FaMed-Prüfung: Ablauf und Bewertung).

Was Ihnen in der Prüfung fehlen kann, ist nicht die Diagnose. Es ist das eine Wort. Das Wort, mit dem Sie einem Patienten eine Bauchspiegelung erklären. Oder das Fachwort, das der Chefarzt für „bläuliche Lippen“ hören will. Deshalb lohnt sich die Themenliste doch: als Wortschatzliste.

Anamnese: die häufigsten Beschwerden

In der Anamnese sind Sie Hausärztin oder Hausarzt. Laut Erfahrungsberichten kommen vor allem:

  • Bauchschmerzen (in vielen Varianten)
  • Brustschmerz
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Schwindel, auch mit Ohrgeräuschen
  • Husten und Fieber, auch Covid
  • Halsschmerzen und Abgeschlagenheit
  • Schluckbeschwerden
  • Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl
  • eine Verletzung am Sprunggelenk

Bereiten Sie für jede Beschwerde zwei Dinge vor: die passenden Fragen in Alltagssprache („Wo genau tut es weh? Strahlt der Schmerz aus?“) und die Antworten auf typische Rückfragen des Patienten. Die kommen in der FaMed fast immer, zum Beispiel:

  • „Bin ich ansteckend?“
  • „Wann darf ich wieder arbeiten oder Sport machen?“
  • „Warum bin ich so müde?“
  • „Ist das Krebs? In meiner Familie gab es Krebs.“

Aufklärung: Operationen und Untersuchungen

Laut Erfahrungsberichten sind es nicht nur Operationen. Ein großer Teil sind Untersuchungen.

OperationenUntersuchungen und Eingriffe
Gallenblasenentfernung (laparoskopische Cholezystektomie)Magenspiegelung (Gastroskopie)
Blinddarmentfernung (Appendektomie)Darmspiegelung (Koloskopie)
Schilddrüsenoperation (Thyreoidektomie)CT oder MRT mit Kontrastmittel
Leistenbruch-OP (Herniotomie)Ultraschall des Herzens über die Speiseröhre (TEE)
künstliches Hüft- oder Kniegelenk (TEP)Elektrokardioversion
Knochenbruch-OP mit Platte oder Schrauben (Osteosynthese)Lungenspiegelung (Bronchoskopie)
Port-ImplantationPunktionen, etwa des Brustkorbs (Pleurapunktion) oder des Rückenmarkkanals (Lumbalpunktion)

Auf dem Blatt in der Prüfung stehen die Fachbegriffe. Sie sagen dem Patienten die linke Spalte, nicht die Klammer. Üben Sie deshalb für jedes Thema:

  • Ablauf in drei Sätzen, ohne Fachwort.
  • Risiken mit Häufigkeit in Worten: „selten, bei etwa einem von tausend Patienten“.
  • Die Fragen, die Patienten wirklich stellen: „Muss ich nüchtern kommen?“, „Bekomme ich eine Narkose?“, „Bleibt eine Narbe?“, „Wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben?“, „Muss ich meinen Blutverdünner absetzen?“, „Was ist ein Trokar?“

Wie Sie Risiken mit Häufigkeit in Patientensprache sagen, zeigt der Artikel Aufklärung in der FaMed: Risiken erklären.

Patientenvorstellung: Innere Medizin und Chirurgie

Sie stellen zwei Patienten vor, einen aus jedem Fach. Laut Erfahrungsberichten wiederholen sich vor allem diese Krankheitsbilder:

Innere Medizin: Herzinfarkt (NSTEMI), Vorhofflimmern, Lungenentzündung, akute Verschlechterung einer COPD, Asthmaanfall, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Nierenbeckenentzündung, entgleister Diabetes, hypertensive Krise, allergischer Schock, Blutung aus dem Magen, Blutarmut.

Chirurgie und Unfallchirurgie: Blinddarmentzündung, Gallenblasenentzündung, Divertikulitis, Oberschenkelhalsbruch, Sprunggelenksbruch, Bruch der Kniescheibe, Rippen-, Schlüsselbein- oder Oberarmbruch, Kreuzbandriss, Platzwunde am Kopf.

Das Informationsblatt beschreibt Symptome oft in Alltagssprache. Ihr Job ist die Gegenrichtung:

Auf dem BlattBeim Chefarzt
bläuliche Lippenzentrale Zyanose
Atemnot beim TreppensteigenBelastungsdyspnoe
HerzrasenTachykardie
Wasser in den Beinenperiphere Ödeme
TeerstuhlMeläna
verkürztes, nach außen gedrehtes BeinVerkürzung und Außenrotation des Beins

Der Chefarzt fragt danach nur nach Angaben aus dem Blatt, zum Beispiel: „Welche Seite?“, „Wer hat den Patienten gebracht?“, „War das Troponin erhöht?“, „Wurde er schon aufgeklärt?“ Lesen Sie das Blatt deshalb so, als müssten Sie jede Zeile erklären können. Wie Sie die Vorstellung aufbauen, zeigt der Artikel Patientenvorstellung in der FaMed.

Arztbrief: die Themen der Videos

Im Arztbrief schreiben Sie die Anamnese aus einem kurzen Video. Laut Erfahrungsberichten ähneln die Themen denen der Anamnese: Bauchschmerzen, Brustschmerz, Migräne, Schwindel, Husten, Covid, Darmkrebs, Speiseröhrenkrebs, Parkinson, chronische Müdigkeit.

Hier hilft keine Themenliste, sondern eine feste Satzmaschine im Konjunktiv I:

  • „Der Patient stellt sich mit seit drei Tagen bestehenden Oberbauchschmerzen vor.“
  • „Er gibt an, die Schmerzen hätten nach dem Essen begonnen.“
  • „An Vorerkrankungen sei ein arterieller Hypertonus bekannt.“
  • „Er rauche seit 20 Jahren etwa ein Päckchen pro Tag.“

Mit zehn solchen Sätzen schreiben Sie jeden FaMed-Brief. Zeitplan, Notizraster und die häufigsten Fehler finden Sie im Artikel FaMed-Arztbrief: Anamnese im Konjunktiv I.

So nutzen Sie diese Liste richtig

  1. Wählen Sie pro Woche vier Themen, eins pro Gesprächssituation.
  2. Schreiben Sie für jedes Thema zehn Wortpaare auf: Fachwort und Alltagswort.
  3. Sprechen Sie jedes Thema einmal laut durch, mit Timer auf 11 Minuten.
  4. Notieren Sie, wo Sie gestockt haben. Das ist Ihre Wortschatzliste für die nächste Woche.

Im FaMed-Training von FSP Trainer üben Sie solche Situationen mit einem Patienten, der nachfragt, und einem Chefarzt, der nachhakt. Zu jedem Fall gibt es ein Protokoll zum Nachlesen. FSP Trainer ist unabhängig und nicht mit dem Anbieter der FaMed verbunden. Ob für Sie die FaMed oder die FSP die bessere Wahl ist, klärt der Vergleich FaMed oder FSP?.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie aus der Tabelle der Aufklärungen ein einziges Thema, zum Beispiel die Darmspiegelung. Schreiben Sie auf, wie Sie einem Patienten in drei Sätzen ohne ein einziges Fachwort erklären, was passiert. Dann sagen Sie es laut.

Meine Kollegin hat ihre Liste mit fünfzig Fällen übrigens nie durchgearbeitet. Sie hat dreißig Wortpaare pro Woche gelernt und jeden Abend ein Gespräch laut geführt. Sie hat bestanden.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Welche Themen kommen in der FaMed dran?+

Die Fälle stammen aus Allgemeinmedizin, Innerer Medizin und Chirurgie. Laut Erfahrungsberichten sind in der Anamnese häufig Bauch-, Brust- oder Kopfschmerzen, Husten und Fieber, in der Aufklärung Operationen wie die Gallenblasenentfernung und Untersuchungen wie die Darmspiegelung, in der Patientenvorstellung Herzinfarkt, Lungenentzündung oder Knochenbrüche.

Gibt es eine offizielle Themenliste der FaMed?+

Nein. Die Situationen werden zufällig aus einem nicht veröffentlichten Pool gezogen. Der Anbieter stellt einen Übungstest bereit, der das Format zeigt. Themenlisten im Internet beruhen auf Erfahrungsberichten von Kandidaten und sind ohne Gewähr.

Muss ich für die FaMed Protokolle auswendig lernen?+

Weniger als für die FSP. Alle medizinischen Informationen stehen in der Prüfung auf dem Bildschirm, und Fachwissen wird nicht bewertet. Protokolle helfen vor allem, den passenden Wortschatz und die typischen Patientenfragen vorab zu kennen.

Welche Fragen stellen die Patienten in der FaMed?+

Laut Erfahrungsberichten fragen Patienten zum Beispiel, ob sie ansteckend sind, wann sie wieder arbeiten oder Sport machen dürfen, ob eine Narbe bleibt, wie lange sie im Krankenhaus bleiben, ob sie nüchtern kommen müssen oder was ein Fachwort bedeutet.

Was fragt der Chefarzt in der Patientenvorstellung?+

Er fragt nach Angaben aus dem Informationsblatt, etwa nach der betroffenen Seite, nach einem Laborwert oder danach, ob der Patient schon aufgeklärt wurde. Wissensfragen zu Diagnostik und Therapie gehören nicht dazu.

Glossar

Prüfungsprotokoll
Ein Erfahrungsbericht eines Prüflings, der beschreibt, welcher Fall in der Prüfung drankam und welche Fragen gestellt wurden. Protokolle sind inoffiziell und ohne Gewähr.
Pool
Die nicht veröffentlichte Sammlung von Prüfungssituationen, aus der die FaMed für jeden Kandidaten zufällig fünf Situationen zieht.
Laiensprache
Die Alltagssprache, in der Sie mit Patienten sprechen, zum Beispiel Gallenblase statt Vesica biliaris oder Darmspiegelung statt Koloskopie.
Fachsprache
Die medizinische Sprache unter Kollegen, zum Beispiel in der Patientenvorstellung beim Chefarzt oder im Arztbrief.