FaMed-Arztbrief: Anamnese im Konjunktiv I

Dr. Yanis von FSP Trainer5 Min. Lesezeit
Arzt mit Stethoskop tippt am Laptop, wie beim Arztbrief in der schriftlichen Station der FaMed
Foto: Ivan S / Pexels

Bezahlt nach Seiten?

Mein erster Arztbrief auf Deutsch war so lang, dass die Oberärztin fragte, ob ich nach Seiten bezahlt werde. Ich hatte alles aufgeschrieben, was der Patient gesagt hatte, in der Reihenfolge, in der er es gesagt hatte. Mit dem Indikativ, natürlich.

Sie gab ihn mir zurück, mit zwei Worten am Rand: „Struktur. Konjunktiv.“

Diese zwei Worte sind auch der Kern der schriftlichen Station in der FaMed. Der Unterschied zu meinem Fall: Sie haben dort nur 22 Minuten, und das Video läuft schon mit.

Was verlangt die FaMed?

Arztbrief

Das schriftliche Dokument, mit dem Ärzte sich über einen Patienten informieren. In der FaMed schreiben Sie nur den Anamneseteil.

Die schriftliche Station kommt in der FaMed immer zuletzt (Überblick in FaMed-Prüfung: Ablauf und Bewertung). Laut famed-test.de gilt:

  • Sie sehen ein kurzes Video eines Gesprächs. Sie dürfen es anhalten und zurückspulen.
  • Sie schreiben den Anamneseteil eines Arztbriefs, in ganzen Sätzen.
  • Hinein gehören: Name, Alter, wenn relevant Größe und Gewicht, aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente, Nikotin und Alkohol, Familien- und Sozialanamnese, wenn relevant Reisen.
  • Aussagen des Patienten geben Sie, wo es passt, im Konjunktiv I wieder.
  • Sie haben 22 Minuten, das Video eingerechnet.

Zwei Dinge sind anders als in der FSP. Sie schreiben nur die Anamnese: keine Diagnose, keine Therapie, kein Procedere. Und Sie tippen am Computer, statt mit der Hand zu schreiben.

Ein Zeitplan für 22 Minuten

Das Video dauert nur wenige Minuten. Trotzdem ist es der größte Zeitfresser, wenn Sie es dreimal ganz anschauen. Ein Plan, der sich bewährt:

ZeitWas Sie tun
Minute 0 bis 5Video einmal ganz ansehen, Stichworte ins Raster schreiben
Minute 5 bis 7gezielt zurückspulen: Zahlen, Dosen, Namen von Medikamenten
Minute 7 bis 18Brief in ganzen Sätzen schreiben, Rubrik für Rubrik
Minute 18 bis 22Korrektur: Konjunktiv, Zahlen, Umlaute, fehlende Rubrik

Die letzten vier Minuten sind keine Reserve. Sie sind Teil des Plans. In der Korrektur holen die meisten Kandidaten die Punkte, die sie beim Schreiben verloren haben.

Das Notizraster

Schreiben Sie vor dem Start die Rubriken als Kürzel untereinander. Dann wissen Sie beim Hören sofort, wohin eine Angabe gehört:

  • Pers.: Name, Alter, Größe, Gewicht
  • Akt.: Hauptbeschwerde, seit wann, wo, wie, Begleitsymptome
  • VE/OP: Vorerkrankungen, Operationen
  • Med.: Medikament, Dosis, wie oft
  • All.: Allergien
  • Nox.: Zigaretten, Alkohol, Drogen
  • FA: Familie
  • SA: Beruf, Wohnen, Familie
  • Reise: falls erwähnt

Ein leeres Kürzel am Ende ist ein Warnsignal: Entweder hat der Patient nichts dazu gesagt, oder Sie haben es überhört. Dann spulen Sie gezielt zurück.

Die Regeln des Konjunktiv I

Konjunktiv I

Die Verbform der indirekten Rede, zum Beispiel er habe, sie sei, er nehme. Im Arztbrief gibt sie Aussagen des Patienten mit Distanz wieder.

Der Patient sagt etwas, und Sie berichten es. Deshalb steht es im Konjunktiv. Die wichtigsten Formen in der 3. Person Singular:

IndikativKonjunktiv I
er hater habe
sie istsie sei
er nimmter nehme
sie leidetsie leide
es tritt aufes trete auf
er kanner könne
sie rauchtsie rauche
Konjunktiv II als Ersatzform

Wenn der Konjunktiv I wie der Indikativ klingt (sie haben), nimmt man den Konjunktiv II (sie hätten) oder würde mit Infinitiv.

Die eine Falle: In der Mehrzahl klingt der Konjunktiv I oft wie der Indikativ. „Die Schmerzen haben nach dem Essen begonnen“ ist kein Konjunktiv. Dann weichen Sie aus: „Die Schmerzen hätten nach dem Essen begonnen.“

Und ein Tipp für den Rhythmus: Wechseln Sie die Einleitungen. „Der Patient berichtet“, „Er gibt an“, „Er verneint“, „Er klagt über“. Danach dürfen mehrere Sätze im Konjunktiv folgen, ohne dass jeder mit „Er gibt an“ beginnt.

Vom Gespräch zum Brief: ein Beispiel

Ein erfundener Ausschnitt aus einem Video:

Ärztin: Was führt Sie zu uns?

Patient: Ich huste seit drei Wochen, und seit ein paar Tagen ist da auch Blut dabei. Ich bin immer müde und habe fünf Kilo abgenommen, ohne Diät.

Ärztin: Rauchen Sie?

Patient: Ja, seit ich 18 bin, eine Schachtel am Tag. Jetzt bin ich 58.

Ärztin: Nehmen Sie Medikamente?

Patient: Nur Ramipril, fünf Milligramm, morgens. Wegen dem Blutdruck.

Ärztin: Gibt es Krankheiten in der Familie?

Patient: Mein Vater hatte Lungenkrebs.

Daraus wird:

Herr Becker, ein 58-jähriger Patient, stellte sich mit seit drei Wochen bestehendem Husten vor. Seit einigen Tagen bestünden zudem Hämoptysen. Er berichtet über eine ausgeprägte Müdigkeit und einen ungewollten Gewichtsverlust von 5 kg. An Vorerkrankungen sei eine arterielle Hypertonie bekannt, die mit Ramipril 5 mg 1-0-0 behandelt werde. Er rauche seit dem 18. Lebensjahr eine Schachtel Zigaretten täglich, entsprechend 40 Packungsjahren. Der Vater sei an einem Bronchialkarzinom erkrankt.

Packungsjahre

Maß für den Zigarettenkonsum: Zahl der täglich gerauchten Schachteln mal Jahre des Rauchens.

Sehen Sie die Übersetzungen? „Blut beim Husten“ wird zu Hämoptysen, „wegen dem Blutdruck“ zur arteriellen Hypertonie, „Lungenkrebs“ zum Bronchialkarzinom, und die Raucherjahre werden in Packungsjahre umgerechnet. Der Einleitungssatz steht im Präteritum, alles, was der Patient sagt, im Konjunktiv. „Bestünden“ ist die Ersatzform im Plural, weil „bestehen“ wie der Indikativ klingt.

Die häufigsten Fehler

  1. Stichpunkte statt Sätze. Die Aufgabe verlangt ganze Sätze. Ein Brief in Stichworten verliert Punkte bei der Textsorte.
  2. Indikativ. „Er raucht seit 40 Jahren“ ist im Brief ein Fehler. „Er rauche“ ist richtig.
  3. Gemischte Formen. Ein Satz im Konjunktiv, der nächste im Indikativ: Das fällt beim Lesen sofort auf.
  4. Vergessene Zahlen. Die Dosis, die Zahl der Zigaretten, das Alter der Mutter bei ihrer Diagnose. Gerade die Zahlen überhört man beim ersten Mal.
  5. Eine Diagnose erfinden. Sie schreiben die Anamnese. Eine Verdachtsdiagnose wird nicht verlangt, und eine falsche kann nur schaden.

Acht typische Fehler mit Beispielen und Korrekturen stehen im Artikel Arztbriefschreiben: Fehler vermeiden. Den Aufbau des vollständigen Arztbriefs in der FSP erklärt der Leitfaden Arztbrief schreiben.

Die Wahrheit: Der Brief entscheidet oft

Viele Kandidaten bereiten die Gespräche wochenlang vor und den Brief an einem Abend. Das ist ein Risiko. In der FaMed ist der Brief eine eigene Station mit eigener Schwelle von 60 %. Gute Gespräche retten keinen schwachen Brief.

Die gute Nachricht: Der Brief ist der Teil, den man am zuverlässigsten trainieren kann. Zehn feste Sätze im Konjunktiv, ein Raster und ein Zeitplan, und Sie schreiben jeden Brief nach demselben Muster.

Im FaMed-Training von FSP Trainer hören Sie ein Arzt-Patienten-Gespräch, schreiben den Anamneseteil mit Zeitlimit und bekommen danach eine Rückmeldung zu fehlenden Angaben, Konjunktiv und Fachsprache. FSP Trainer ist unabhängig und nicht mit dem Anbieter der FaMed verbunden.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie ein beliebiges Gespräch aus einem Hörbuch, einem Podcast oder einer Serie, in dem jemand über seine Beschwerden spricht. Hören Sie fünf Minuten, schreiben Sie das Raster mit, und formulieren Sie dann fünf Sätze im Konjunktiv I.

Lesen Sie die fünf Sätze laut. Wenn keiner im Indikativ steht, haben Sie heute den wichtigsten Teil der schriftlichen Station geübt.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Wie läuft der Arztbrief in der FaMed ab?+

Sie sehen ein kurzes Video mit einem Arzt-Patienten-Gespräch, das Sie anhalten und zurückspulen dürfen. Daraus schreiben Sie am Computer den Anamneseteil eines Arztbriefs in ganzen Sätzen. Für Video und Schreiben zusammen haben Sie 22 Minuten. Die schriftliche Station kommt immer zuletzt.

Was muss im FaMed-Arztbrief stehen?+

Name, Alter, wenn genannt Größe und Gewicht, die aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente, Nikotin und Alkohol, Familien- und Sozialanamnese und, falls relevant, eine Reiseanamnese. Eine Diagnose oder ein Therapieplan wird nicht verlangt.

Muss ich im FaMed-Arztbrief den Konjunktiv I benutzen?+

Ja, Aussagen des Patienten geben Sie mit Distanz wieder, also in indirekter Rede, meist im Konjunktiv I. Ist der Konjunktiv I gleich dem Indikativ, etwa in der Mehrzahl, nehmen Sie den Konjunktiv II.

Wie lang sollte der FaMed-Arztbrief sein?+

Laut Erfahrungsberichten reichen etwa 10 bis 15 vollständige Sätze. Wichtiger als die Länge ist, dass keine Angabe aus dem Gespräch fehlt: Dosis, Zahl der Zigaretten, Erkrankungen in der Familie.

Schreibe ich den FaMed-Arztbrief per Hand?+

Nein. Sie tippen ihn am Computer. Üben Sie deshalb auch auf einer deutschen Tastatur, mit Umlauten und ß.

Glossar

Arztbrief
Das schriftliche Dokument, mit dem Ärzte sich über einen Patienten informieren. In der FaMed schreiben Sie nur den Anamneseteil.
Konjunktiv I
Die Verbform der indirekten Rede, zum Beispiel er habe, sie sei, er nehme. Im Arztbrief gibt sie Aussagen des Patienten mit Distanz wieder.
Konjunktiv II als Ersatzform
Wenn der Konjunktiv I wie der Indikativ klingt (sie haben), nimmt man den Konjunktiv II (sie hätten) oder würde mit Infinitiv.
Packungsjahre
Maß für den Zigarettenkonsum: Zahl der täglich gerauchten Schachteln mal Jahre des Rauchens.