Aufklärungsgespräch in der FSP: 5 Schritte

Ich kannte die Untersuchung. Meine Patientin nicht.
Simulation, kurz vor meiner Fachsprachprüfung. Die Anamnese lief gut, die Verdachtsdiagnose stand. Dann sagte ich stolz: « Wir planen eine Ösophagogastroduodenoskopie. » Meine ‚Patientin' sah mich an, als hätte ich ihr gerade eine Steuererklärung vorgelesen.
Ich wusste genau, was die Untersuchung ist. Ich hatte sie selbst oft angeordnet. Aber ich konnte sie nicht so erklären, dass ein Mensch ohne Medizinstudium sie versteht. Genau das prüft die FSP an dieser Stelle.
Dieser Artikel zeigt Ihnen den Aufbau, den ich mir danach gebaut habe: fünf Schritte, mit Sätzen, die Sie direkt übernehmen können.
Was ist ein Aufklärungsgespräch in der FSP?
- Aufklärungsgespräch
Das Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt einer Patientin eine geplante Untersuchung oder Behandlung so erklärt, dass sie informiert einwilligen oder ablehnen kann: Art, Ablauf, Risiken, Nutzen und Alternativen.
In der Fachsprachprüfung kommt die Aufklärung meist am Ende des Arzt-Patienten-Gesprächs, nach der Anamnese. Die Ärztekammer Nordrhein beschreibt Teil 1 so: Sie erheben die Anamnese, nennen eine Verdachtsdiagnose, schlagen Diagnostik und Therapie vor, erklären die Maßnahmen und beantworten die Fragen des Patienten.
Manche Kammern machen daraus einen eigenen Schwerpunkt. In Rostock, wo auch Kandidaten aus Schleswig-Holstein geprüft werden, lesen Sie vor dem Gespräch 30 Minuten lang einen standardisierten Aufklärungsbogen und erklären ihn danach dem Simulationspatienten (Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern). Den genauen Ablauf in Ihrem Land finden Sie im Ratgeber nach Bundesland.
Auch im echten Klinikalltag ist die Aufklärung Pflicht. Das Gesetz verlangt, dass sie mündlich, rechtzeitig und verständlich erfolgt und Art, Ablauf, Risiken, Notwendigkeit und Alternativen umfasst (§ 630e BGB). Für die Prüfung müssen Sie den Paragrafen nicht zitieren. Aber er liefert Ihnen die Gliederung.
Die Wahrheit: Sie verlieren Punkte durch zu viele Fachwörter
Viele Kandidaten glauben, sie müssten in der Aufklärung zeigen, wie viel Medizin sie können. Das Gegenteil stimmt. Die Prüfer wissen, dass Sie Arzt sind. Sie wollen sehen, ob Sie für einen Laien sprechen können.
Die Ärztekammer Nordrhein sagt es deutlich: Eine falsche Diagnose zählt nicht, bewertet wird nur, wie Sie die Situation sprachlich lösen. Ein unübersetztes Fachwort kostet Sie also mehr als ein vergessenes Risiko.
Die 5 Schritte des Aufklärungsgesprächs
Diese Reihenfolge folgt dem Aufbau der meisten Aufklärungsbögen. Wenn Sie sie verinnerlicht haben, können Sie jede Untersuchung erklären, auch eine, die Sie in der Prüfung zum ersten Mal sehen.
Schritt 1: Ankündigen und Zweck nennen
Sagen Sie der Patientin, dass jetzt ein neuer Teil des Gesprächs beginnt. Das gibt ihr Orientierung und Ihnen eine Struktur.
- « Ich möchte Ihnen jetzt erklären, welche Untersuchung wir planen und warum. »
- « Um die Ursache Ihrer Bauchschmerzen zu finden, möchten wir uns Ihren Magen von innen ansehen. »
Schritt 2: Die Untersuchung in Alltagssprache benennen
Ein Fachwort, einmal, sofort übersetzt. Danach nur noch Alltagssprache.
- « Wir machen eine Magenspiegelung. Das heißt, wir schauen mit einem dünnen, beweglichen Schlauch mit einer kleinen Kamera in Ihre Speiseröhre und Ihren Magen. »
- « Bei einer Computertomographie entstehen mit Röntgenstrahlen viele Schnittbilder Ihres Körpers. »
Schritt 3: Vorbereitung, Ablauf und Dauer erklären
Patienten wollen wissen, was sie tun müssen und was mit ihnen passiert. Sprechen Sie in der Reihenfolge, in der die Patientin es erleben wird.
- « Bitte essen und trinken Sie vorher nichts. Sie müssen nüchtern sein. »
- « Sie bekommen ein Schlafmittel über die Vene und schlafen während der Untersuchung. »
- « Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Danach bleiben Sie noch eine Weile zur Beobachtung bei uns. »
- Sedierung
Eine leichte Narkose mit einem Beruhigungs- oder Schlafmittel, zum Beispiel bei einer Magen- oder Darmspiegelung. Für Patienten sagen Sie: « Sie bekommen ein Schlafmittel und schlafen während der Untersuchung. »
Schritt 4: Risiken ehrlich nennen und einordnen
Nennen Sie zwei oder drei typische Risiken, in einfachen Worten, und ordnen Sie sie ein. Weder verschweigen noch dramatisieren.
- « Wie bei jeder Untersuchung gibt es Risiken. Selten kann es zu einer Blutung oder einer kleinen Verletzung der Magenwand kommen. »
- « Diese Komplikationen sind selten, und wir sind darauf vorbereitet. »
Vermeiden Sie Sätze wie « Da kann nichts passieren » (das ist falsch) oder « Im schlimmsten Fall sterben Sie » (das ist unnötig hart). Beides fällt den Prüfern auf.
Schritt 5: Verständnis prüfen, Fragen und Einverständnis
Das ist der Schritt, den die meisten Kandidaten vergessen. Und genau er zeigt den Prüfern, dass Sie ein Gespräch führen und keinen Vortrag halten.
- « Können Sie mir kurz mit Ihren eigenen Worten sagen, wie die Untersuchung abläuft? »
- « Haben Sie noch Fragen dazu? »
- « Sind Sie mit der Untersuchung einverstanden? »
- Teach-back-Methode
Eine Technik zur Verständnisprüfung: Die Patientin erklärt mit eigenen Worten, was sie verstanden hat. So erkennen Sie Lücken, die eine Ja-Nein-Frage verdecken würde.
Fachsprache und Alltagssprache: die häufigsten Untersuchungen
Diese Tabelle deckt die Untersuchungen ab, die in FSP-Fällen besonders oft vorkommen. Lernen Sie immer beide Spalten zusammen: die linke für das Arzt-Arzt-Gespräch, die rechte für die Patientin.
| Fachbegriff | So sagen Sie es der Patientin |
|---|---|
| Gastroskopie (ÖGD) | Magenspiegelung: mit einer kleinen Kamera in Speiseröhre und Magen schauen |
| Koloskopie | Darmspiegelung: mit einer kleinen Kamera den Dickdarm von innen ansehen |
| Abdomensonographie | Ultraschall vom Bauch, ohne Strahlung und ohne Schmerzen |
| Computertomographie (CT) | Schnittbilder mit Röntgenstrahlen, Sie liegen dafür kurz in einem Ring |
| Magnetresonanztomographie (MRT) | Bilder mit einem starken Magneten, ohne Röntgenstrahlen, das Gerät ist laut |
| Echokardiographie | Ultraschall vom Herzen |
| Koronarangiographie | Herzkatheter: ein dünner Schlauch über die Leiste oder das Handgelenk bis zum Herzen |
| Lumbalpunktion | Mit einer feinen Nadel etwas Nervenwasser aus dem unteren Rücken entnehmen |
| Kontrastmittel | Ein Mittel, das über die Vene gegeben wird, damit man auf den Bildern mehr sieht |
| Perforation | Eine Verletzung, ein kleines Loch in der Wand von Magen oder Darm |
| Hämatom | Ein Bluterguss, ein blauer Fleck |
Weitere Paare und die Logik hinter Vorsilben und Endungen finden Sie im Artikel Medizinische Fachbegriffe einfach erklärt.
Beispiel: eine Aufklärung in 90 Sekunden
So kann eine vollständige Aufklärung zur Magenspiegelung klingen. Lesen Sie sie einmal laut. Sie werden merken, wie wenig Fachwörter man wirklich braucht.
« Frau Weber, ich möchte Ihnen jetzt erklären, wie es weitergeht. Um herauszufinden, woher Ihre Oberbauchschmerzen kommen, möchten wir eine Magenspiegelung machen. Dabei schauen wir mit einem dünnen, beweglichen Schlauch mit einer kleinen Kamera in Ihre Speiseröhre und Ihren Magen.
Bitte essen und trinken Sie vorher nichts. Vor der Untersuchung bekommen Sie ein Schlafmittel über die Vene, Sie schlafen also und spüren nichts. Die Untersuchung selbst dauert nur wenige Minuten. Wenn wir etwas Auffälliges sehen, können wir gleich eine kleine Gewebeprobe entnehmen. Das tut nicht weh.
Wie bei jeder Untersuchung gibt es Risiken. Selten kann es zu einer Blutung oder einer kleinen Verletzung der Magenwand kommen. Das ist aber sehr selten, und wir sind darauf vorbereitet. Nach dem Schlafmittel dürfen Sie an dem Tag nicht selbst Auto fahren.
Können Sie mir kurz sagen, wie die Untersuchung abläuft? … Genau. Haben Sie noch Fragen? Sind Sie mit der Untersuchung einverstanden? »
Zählen Sie nach: ein einziger Fachbegriff wäre nötig gewesen, und selbst den haben wir durch « Magenspiegelung » ersetzt.
Drei Patientenfragen, die in der Aufklärung kommen
Simulationspatienten haben oft eine vorbereitete Frage. Diese drei höre ich am häufigsten.
« Tut das weh? » « Die meisten Patienten spüren nichts, weil sie ein Schlafmittel bekommen. Danach kann der Hals ein bisschen kratzen. Das geht schnell vorbei. »
« Muss das wirklich sein? » « Ich verstehe, dass Sie das lieber vermeiden möchten. Ohne die Untersuchung können wir die Ursache Ihrer Beschwerden aber nicht sicher finden. Deshalb empfehle ich sie Ihnen. »
« Und wenn ich das nicht möchte? » « Das ist Ihre Entscheidung, und ich respektiere sie. Ich möchte Ihnen nur sagen, was ohne die Untersuchung passieren kann. Möchten Sie noch einmal in Ruhe darüber nachdenken? »
Wie Sie auf Angstfragen wie « Kann das Krebs sein? » antworten, zeigt der Artikel zum Arzt-Patienten-Gespräch in der FSP.
Die 5 häufigsten Fehler in der Aufklärung
- Fachwort ohne Übersetzung. « Wir machen eine Koloskopie mit Polypektomie. » Die Patientin nickt, versteht nichts, und die Prüfer notieren es.
- Monolog ohne Pause. Zwei Minuten am Stück reden wirkt wie auswendig gelernt. Machen Sie nach jedem Schritt eine kleine Pause.
- Risiken weglassen. Aus Angst, die Patientin zu beunruhigen. Aber ohne Risiken ist es keine Aufklärung.
- « Haben Sie alles verstanden? » Darauf antwortet jeder mit Ja. Fragen Sie offen nach (Schritt 5).
- Ein Ergebnis versprechen. « Danach wissen wir genau, was Sie haben. » Sagen Sie lieber: « Die Untersuchung hilft uns, die Ursache zu finden. »
Ein Lächeln am Rande: Mein Rekord in einer frühen Übung waren sieben Fachwörter in einem einzigen Satz. Die Patientin hat am Ende gefragt, ob ich auch Deutsch spreche.
So üben Sie das Aufklärungsgespräch
Die Methode, die sich bei mir bewährt hat, stammt direkt aus dem Rostocker Prüfungsformat:
- Einen echten Aufklärungsbogen lesen. Magenspiegelung, Darmspiegelung, CT, Herzkatheter. Nicht mehr als zehn Minuten.
- Laut erklären, drei Minuten, ohne Blatt. In den fünf Schritten. Nehmen Sie sich mit dem Handy auf.
- Die Aufnahme anhören. Markieren Sie jedes Fachwort, das Sie nicht übersetzt haben, und jeden Satz, der länger als zwei Zeilen wäre.
- Am nächsten Tag dieselbe Untersuchung noch einmal. Erst die Wiederholung macht die Sätze automatisch.
In der FSP Trainer Web-App finden Sie dafür im Modul Lernen die Rubrik Aufklärungen: 35 Untersuchungen, Eingriffe und Medikamente, von Röntgen und CT über Magen- und Darmspiegelung bis zu Marcumar und Metformin. Jede Aufklärung ist genau in dieser Reihenfolge aufgebaut (Beschreibung, Vorbereitung, Ablauf, Dauer, Komplikationen) und in Patientensprache formuliert. Die Aufklärungen sind im kostenlosen Basis-Paket unbegrenzt lesbar.
Zum Sprechen selbst gibt es das Modul Reformuliere das!: Sie erklären eine Untersuchung, ein Risiko oder eine Anweisung in Alltagssprache und bekommen eine Bewertung, wie verständlich Ihre Erklärung war. Und wenn Sie das Ganze im Zusammenhang üben wollen, führen Sie in der FSP-Simulation das komplette Patientengespräch vom ersten Satz bis zur Aufklärung. Wie Sie solche Simulationen strukturiert auswerten, beschreibt der Leitfaden zur mündlichen Simulation.
Der eine Schritt für heute
Wählen Sie eine Untersuchung, die Sie gut kennen. Zum Beispiel die Magenspiegelung. Erklären Sie sie heute Abend laut in fünf Schritten, mit dem Handy als Zuhörer. Drei Minuten, mehr nicht.
Beim ersten Mal werden Sie Fachwörter finden, die Sie gar nicht bemerkt haben. Beim dritten Mal nicht mehr. Und dann sitzt der Satz auch in der Prüfung, wenn der Puls schneller geht.
Sie kennen diese Untersuchungen längst. Jetzt lernen Sie nur noch, sie weiterzugeben: in Worten, die jeder versteht.
Sprechen. Üben. Bestehen.
Häufige Fragen
Gehört ein Aufklärungsgespräch zur Fachsprachprüfung?+
Ja, in den meisten Kammern ist es Teil des Arzt-Patienten-Gesprächs. Die Ärztekammer Nordrhein verlangt, dass Sie die geplanten Maßnahmen erklären und Fragen beantworten. In Mecklenburg-Vorpommern lesen Sie vorher 30 Minuten lang einen Aufklärungsbogen und erklären ihn dann dem Patienten. Den genauen Ablauf nennt Ihre Kammer.
Wie ist ein Aufklärungsgespräch aufgebaut?+
In fünf Schritten: ankündigen, die Untersuchung in Alltagssprache benennen, Vorbereitung und Ablauf erklären, Risiken ehrlich nennen, dann Verständnis prüfen und nach Fragen und Einverständnis fragen. Diese Reihenfolge entspricht auch dem Aufbau der meisten Aufklärungsbögen.
Darf ich im Aufklärungsgespräch Fachbegriffe benutzen?+
Einmal, und dann sofort übersetzt: « Wir machen eine Gastroskopie, also eine Magenspiegelung. » Danach sprechen Sie nur noch Alltagssprache. Fachbegriffe ohne Übersetzung sind im Patientengespräch der häufigste Punktverlust.
Muss ich in der FSP alle Risiken einer Untersuchung kennen?+
Nein. Bewertet wird Ihre Sprache, nicht Ihr medizinisches Wissen. Nennen Sie zwei oder drei typische Risiken in einfachen Worten und ordnen Sie sie ein, etwa « das ist selten ». Eine vollständige Risikoliste erwartet niemand.
Wie prüfe ich, ob der Patient mich verstanden hat?+
Mit einer offenen Frage, nicht mit « Haben Sie das verstanden? ». Besser: « Können Sie mir kurz mit Ihren eigenen Worten sagen, wie die Untersuchung abläuft? » So hören Sie, was angekommen ist, und die Prüfer sehen, dass Sie sich vergewissern.
Was sage ich, wenn der Patient die Untersuchung ablehnt?+
Sie respektieren die Entscheidung und erklären ruhig, was ohne die Untersuchung passieren kann. Zum Beispiel: « Das ist Ihre Entscheidung. Ich möchte Ihnen nur sagen, dass wir ohne die Untersuchung die Ursache nicht sicher finden. Möchten Sie noch einmal darüber nachdenken? »
Wie übe ich das Aufklärungsgespräch allein?+
Nehmen Sie einen echten Aufklärungsbogen, lesen Sie ihn und erklären Sie ihn danach laut in drei Minuten, ohne Fachwörter. Nehmen Sie sich dabei auf. Hören Sie die Aufnahme an und markieren Sie jedes Fachwort, das Sie nicht übersetzt haben.
Glossar
- Aufklärungsgespräch
- Das Gespräch, in dem die Ärztin oder der Arzt einer Patientin eine geplante Untersuchung oder Behandlung so erklärt, dass sie informiert einwilligen oder ablehnen kann: Art, Ablauf, Risiken, Nutzen und Alternativen.
- Aufklärungsbogen
- Ein standardisiertes Formular zu einer bestimmten Untersuchung oder Operation. Es ergänzt das mündliche Gespräch, ersetzt es aber nicht. In manchen FSP-Kammern bekommen Sie vor dem Patientengespräch einen Bogen zum Lesen.
- Einwilligung
- Die Zustimmung der Patientin zu einer medizinischen Maßnahme. Sie ist nur wirksam, wenn die Patientin vorher verständlich aufgeklärt wurde.
- Teach-back-Methode
- Eine Technik zur Verständnisprüfung: Die Patientin erklärt mit eigenen Worten, was sie verstanden hat. So erkennen Sie Lücken, die eine Ja-Nein-Frage verdecken würde.
- Sedierung
- Eine leichte Narkose mit einem Beruhigungs- oder Schlafmittel, zum Beispiel bei einer Magen- oder Darmspiegelung. Für Patienten sagen Sie: « Sie bekommen ein Schlafmittel und schlafen während der Untersuchung. »



