Arzt-Arzt-Gespräch: die Fallvorstellung

Zu Hause leitete ich Nachtdienste. Hier traute ich mich kaum
In meinem Heimatland hatte ich allein Nachtdienste geleitet. Ich hatte hunderte Fälle vorgestellt, ohne nachzudenken. In Deutschland stand ich vor dem Oberarzt, sollte „mal eben vorstellen", und mein Mund war trocken. Es war dieselbe Aufgabe, nur in einer anderen Sprache, und plötzlich fühlte ich mich wie ein Anfänger.
Das ist das Tückische am dritten Prüfungsteil: Er trifft genau den Punkt, an dem viele ausländische Ärzte zweifeln, obwohl sie längst Profis sind.
- Arzt-Arzt-Gespräch
Der dritte Teil der Fachsprachprüfung. Er besteht aus der Fallvorstellung und den anschließenden Rückfragen der Prüfer, oft mit einem Aufklärungselement.
Die Wahrheit: Sie können das längst
Hier ist die beruhigende Wahrheit: Sie haben schon hunderte Patienten vorgestellt, nur in einer anderen Sprache. Die Fachsprachprüfung verlangt kein neues Wissen. Sie verlangt, dass Sie Ihr vorhandenes Können in deutsche Fachsprache und eine feste Struktur übersetzen.
Ein Titel heilt niemanden, Kommunikation schon. Genau deshalb prüft die FSP, ob Sie einen Fall klar an einen Kollegen übergeben können. Ihre Erfahrung zählt, Sie müssen sie nur hörbar machen.
Die Struktur: vom Patienten zum Kollegen
Eine gute Fallvorstellung ist so kurz wie möglich und so vollständig wie nötig. Sie folgt immer derselben Reihenfolge:
- Personendaten und Vorstellungsgrund: Name, Alter, kurz der Anlass.
- Aktuelle Beschwerden: Lokalisation, Charakter, Ausstrahlung, Beginn, Intensität.
- Relevante Anamnese und Risikofaktoren: nur, was für diesen Fall zählt.
- Untersuchungsbefund und vorliegende Befunde.
- Verdachtsdiagnose und Differentialdiagnosen.
- Procedere: das geplante Vorgehen.
- SBAR-Schema
Standardisiertes Kommunikationsmodell für Übergaben: Situation, Background, Assessment, Recommendation. Es ordnet eine Patientenvorstellung in vier klare Schritte.
Wer sich die sechs Schritte schlecht merkt, nutzt das bekannte SBAR-Schema als Gerüst: Situation (wer und was), Background (Vorgeschichte und Risikofaktoren), Assessment (Ihre Einschätzung) und Recommendation (Ihr Vorschlag). Beide Wege führen zum selben Ziel, einem roten Faden.
Ein echtes Beispiel: Frau Voigt mit Thoraxschmerz
Nehmen wir einen Fall aus unserer Falldatenbank. Frau Edith Voigt, 76 Jahre, kommt mit seit etwa 1,5 Stunden bestehenden Brustschmerzen. Im Arzt-Patienten-Gespräch haben Sie die Informationen gesammelt, im Arztbrief festgehalten. Jetzt übergeben Sie den Fall an die Kollegin, entlang des SBAR-Schemas:
- Verdachtsdiagnose
Die wahrscheinlichste Diagnose auf Basis von Anamnese und Befund. Sie ist der Höhepunkt jeder Fallvorstellung, nicht eine bloße Symptomliste.
Beachten Sie die Sprache: „retrosternale Schmerzen", „Dyspnoe", „Vernichtungsgefühl". Mit dem Patienten hätten Sie von „Druck hinter dem Brustbein" und „Atemnot" gesprochen, hier sprechen Sie unter Kollegen. Dieser Wechsel der Register ist genau das, was die FSP sehen will. Mehr dazu im Leitfaden zum medizinischen Deutsch.
Die Rückfragen der Prüfer
Nach der Vorstellung wird es zum Dialog. Die Prüfer fragen nach, oft genau dort, wo Sie zeigen können, dass Sie mitdenken. Bei Frau Voigt sind das typische Fragen wie:
- „Welche Verdachtsdiagnose haben Sie, und was spricht dafür?"
- „Welche Anamnese-Aspekte sprechen für und gegen eine Lungenembolie?"
- „Welche ersten therapeutischen Maßnahmen würden Sie ergreifen?"
Die häufigsten Fehler in diesem Teil sind schnell genannt: ohne roten Faden erzählen, in die Laiensprache zurückfallen oder am Ende keine klare Verdachtsdiagnose nennen. Wie Sie diese und andere Stolpersteine vermeiden, lesen Sie in den häufigen Fehlern der FSP.
Wie das gesamte Gespräch sich anfühlt, lernen Sie nur, indem Sie es laut durchspielen. Wie Sie eine realistische FSP-Simulation aufbauen und wie alle drei Prüfungsteile zusammenhängen, zeigt der Überblick zur Fachsprachprüfung.
Hintergründe zum SBAR-Schema finden Sie im DocCheck Flexikon, die offiziellen Anforderungen zur Prüfung bei der Bundesärztekammer.
Fazit: Ihre Erfahrung, nur auf Deutsch
Die Fallvorstellung ist nicht der Teil, an dem Ihr Wissen geprüft wird. Es ist der Teil, an dem Sie es hörbar machen, in klarer Struktur und reiner Fachsprache. Das können Sie längst, Sie müssen es nur in Ihrer neuen Sprache üben.
Ihr erster Schritt für heute: Nehmen Sie einen Fall, den Sie gut kennen, und stellen Sie ihn laut in genau vier Sätzen vor, einer pro SBAR-Schritt. Mehr nicht. Morgen nehmen Sie den nächsten Fall.
Sprechen. Üben. Bestehen.
Häufige Fragen
Was ist das Arzt-Arzt-Gespräch in der FSP?+
Der dritte und letzte Prüfungsteil. Sie stellen den Patienten einer Kollegin oder einem Kollegen strukturiert in Fachsprache vor und beantworten anschließend deren Rückfragen. Es simuliert eine Übergabe im Klinikalltag.
Wie stelle ich einen Patienten in der FSP vor?+
In fester Reihenfolge: Personendaten und Vorstellungsgrund, dann aktuelle Beschwerden, relevante Anamnese und Risikofaktoren, Untersuchungsbefund, Verdachtsdiagnose, Differentialdiagnosen und das geplante Vorgehen. So kurz wie möglich, so vollständig wie nötig.
Was ist das SBAR-Schema?+
Ein standardisiertes Übergabemodell aus vier Schritten: Situation, Background, Assessment und Recommendation. Es hilft, eine Fallvorstellung klar zu ordnen, und passt gut zum Aufbau des Arzt-Arzt-Gesprächs.
Welche Sprache benutze ich im Arzt-Arzt-Gespräch?+
Reine Fachsprache. Mit Kollegen sprechen Sie von „retrosternalen Schmerzen" und „Dyspnoe", nicht von „Brustweh" und „Luftnot". Das Zurückfallen in die Laiensprache ist ein häufiger Fehler in diesem Teil.
Was passiert nach der Fallvorstellung?+
Die Prüfer stellen Rückfragen, etwa zur Verdachtsdiagnose, zu Differentialdiagnosen oder zum weiteren Vorgehen. Manchmal kommt ein Aufklärungselement dazu. Wenn Sie etwas nicht sicher wissen, ist es professionell, Rücksprache mit dem Oberarzt anzukündigen.
Was ist der häufigste Fehler bei der Fallvorstellung?+
Ohne roten Faden zu erzählen und am Ende keine klare Verdachtsdiagnose zu nennen. Die Kollegin erwartet eine Einschätzung, keine lose Aufzählung von Symptomen.
Glossar
- Fallvorstellung
- Die knappe, strukturierte Vorstellung eines Patienten gegenüber einer Kollegin oder einem Kollegen, in reiner Fachsprache. Kern des dritten FSP-Teils.
- Arzt-Arzt-Gespräch
- Der dritte Teil der Fachsprachprüfung. Er besteht aus der Fallvorstellung und den anschließenden Rückfragen der Prüfer, oft mit einem Aufklärungselement.
- SBAR-Schema
- Standardisiertes Kommunikationsmodell für Übergaben: Situation, Background, Assessment, Recommendation. Es ordnet eine Patientenvorstellung in vier klare Schritte.
- Verdachtsdiagnose
- Die wahrscheinlichste Diagnose auf Basis von Anamnese und Befund. Sie ist der Höhepunkt jeder Fallvorstellung, nicht eine bloße Symptomliste.


