Redemittel für die FaMed: alle Situationen

Dr. Yanis von FSP Trainer6 Min. Lesezeit
Ärztin und Pfleger sprechen mit Patientenakten in der Hand, Sinnbild für feste Formulierungen im Klinikalltag und in der FaMed
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Das Heft mit 300 Sätzen

Vor meiner ersten großen Visite in Deutschland hatte ich ein Heft. Darin standen über 300 Redemittel, sauber nach Themen sortiert, manche mit drei Farben markiert. Ich war sehr stolz auf dieses Heft.

Am nächsten Morgen sagte der Oberarzt: „Stellen Sie mal vor.“ Mir fiel kein einziger Satz aus dem Heft ein. Nicht einer. Mein Wissen war da. Meine Wörter nicht.

Das Heft lag übrigens zu Hause, gut geschützt. Es hätte auch nicht geholfen.

Die Wahrheit: Redemittel sind ein Geländer, kein Text

Was ich damals gelernt habe: Ein Satz, den Sie nur wiedererkennen, hilft Ihnen in der Prüfung nicht. Ein Satz, den Sie fünfzigmal laut gesagt haben, kommt von selbst, auch mit Herzklopfen.

In der FaMed ist das noch wichtiger als in der FSP. Sie sitzen allein vor einem Bildschirm, mit Kopfhörer, und haben für jede Situation 11 Minuten (den Ablauf erklärt FaMed-Prüfung: Ablauf und Bewertung). Bewertet wird Ihre Sprache, nicht Ihr Fachwissen, und dazu gehört, wie flüssig Sie sprechen. Für das C1-Niveau beschreibt der Anbieter, dass Sie sprechen, ohne öfter deutlich nach Worten zu suchen (siehe die Anforderungen auf famed-test.de).

Redemittel sind deshalb kein Text zum Aufsagen. Sie sind ein Geländer: Sie halten sich daran fest, während Ihr Kopf schon beim nächsten Gedanken ist. Der Schauspielpatient reagiert auf Sie, nicht auf Ihr Skript. Lernen Sie also wenige Sätze, aber die richtig.

Anamnese: Einstieg, Überleitungen, Abschluss

Überleitung

Ein kurzer Satz, der im Gespräch ein neues Thema ankündigt. Er gibt dem Gespräch Struktur und dem Patienten Orientierung.

Im Anamnesegespräch sind Sie Hausärztin oder Hausarzt und kennen nur den Namen des Patienten. Die Fragen selbst kennen Sie aus dem Studium. Was in der Prüfung fehlt, sind meist die Sätze zwischen den Fragen.

PhaseRedemittel
Einstieg„Guten Tag, Herr Schneider. Mein Name ist …, ich bin heute Ihre Ärztin. Was führt Sie zu mir?“
Offene Frage„Erzählen Sie mir bitte, wie das angefangen hat.“
Präzisieren„Wo genau tut es weh? Können Sie mir die Stelle zeigen?“, „Seit wann haben Sie das?“
Überleitung„Danke, das hilft mir sehr. Jetzt habe ich noch ein paar Fragen zu Ihren Vorerkrankungen.“
Heikle Themen„Ich frage das alle Patienten: Rauchen Sie oder haben Sie früher geraucht?“
Zusammenfassen„Ich fasse kurz zusammen, ob ich alles richtig verstanden habe: …“
Abschluss„Als Nächstes möchte ich Sie untersuchen und Blut abnehmen. Haben Sie dazu noch Fragen?“

Die Überleitungen sind die unterschätzten Sätze dieser Tabelle. Sie zeigen, dass Sie das Gespräch führen, und genau das gehört zur Bewertung. Wie Sie die 11 Minuten einteilen und mit gesprächigen oder ängstlichen Patienten umgehen, steht in Anamnesegespräch in der FaMed: 11 Minuten.

Aufklärung: Ablauf, Risiken, Verständnis prüfen

Im Aufklärungsgespräch erklären Sie einem Patienten einen geplanten Eingriff. Die Informationen stehen auf dem Bildschirm, Ihre Aufgabe ist die Übersetzung in Alltagssprache.

PhaseRedemittel
Ziel nennen„Ich möchte Ihnen heute erklären, was bei der Untersuchung morgen passiert.“
Vorwissen abfragen„Was wissen Sie schon über den Eingriff?“
Ablauf„Zuerst bekommen Sie …, danach …, am Ende …“
Fachbegriff erklären„Wir machen eine Gastroskopie, das heißt, wir schauen mit einem dünnen Schlauch in Ihren Magen.“
Risiko„Bei etwa einem von hundert Patienten kommt es zu …. Wenn das passiert, können wir …“
Verständnis prüfen„Damit ich sicher bin, dass ich es gut erklärt habe: Können Sie mir mit eigenen Worten sagen, wie es morgen abläuft?“
Abschluss„Haben Sie noch Fragen? Sie dürfen auch später jederzeit nachfragen.“

Achten Sie auf die Frage zum Verständnis. Sie lautet nicht „Haben Sie das verstanden?“, sondern prüft, ob Ihre Erklärung gut war. Das klingt höflicher und gibt dem Patienten keinen Grund, aus Scham „ja“ zu sagen. Wie Sie Häufigkeiten wie 1:100 verständlich machen, zeigt Aufklärung in der FaMed: Risiken erklären.

Patientenvorstellung: Fachsprache beim Chefarzt

Laiensprache

Die Alltagssprache, in der Ärztinnen und Ärzte mit Patienten sprechen, zum Beispiel „Bluthochdruck“ statt „arterielle Hypertonie“.

In der zweiten Station, der Arzt-Arzt-Kommunikation, wechseln Sie die Sprache. Mit dem Chefarzt sprechen Sie Fachsprache, und viele Kandidaten verlieren hier Punkte, weil sie im Patientenmodus bleiben. Üben Sie deshalb das Umschalten in beide Richtungen:

Laiensprache (Patient)Fachsprache (Chefarzt)
Bluthochdruckarterielle Hypertonie
ZuckerDiabetes mellitus
Wasser in den Beinenperiphere Ödeme
AtemnotDyspnoe
Schwindel beim Aufstehenorthostatischer Schwindel
Blut im StuhlHämatochezie
GelbsuchtIkterus

Für die Rückfragen des Chefarztes helfen drei Sätze, die Sie auswendig können sollten:

  • Wenn die Antwort auf dem Blatt steht: „Laut Aufnahmebefund lag der CRP-Wert bei …“
  • Wenn sie nicht auf dem Blatt steht: „Dazu liegen mir noch keine Informationen vor. Ich würde das nachholen.“
  • Wenn Sie die Frage nicht verstanden haben: „Meinen Sie die Medikation vor der Aufnahme oder die aktuelle?“

Die Gliederung in sechs Punkten, mit Redemitteln für jeden Punkt, finden Sie in Patientenvorstellung in der FaMed: 6 Punkte.

Arztbrief: Einleitungsverben und Satzanfänge

Im Arztbrief schreiben Sie nach einem Video den Anamneseteil, in ganzen Sätzen. Was der Patient sagt, geben Sie im Konjunktiv I wieder. Damit nicht jeder Satz gleich beginnt, brauchen Sie eine kleine Sammlung von Einleitungen:

ZweckRedemittel
Vorstellung„Herr Becker, 58 Jahre, stellte sich mit … in unserer Praxis vor.“
Beschwerden„Der Patient berichtet über seit drei Tagen bestehende …“
Angaben„Er gibt an, die Schmerzen träten vor allem nachts auf.“
Verneinung„Fieber und Gewichtsverlust verneint er.“
Vorerkrankungen„An Vorerkrankungen sind … bekannt.“
Medikation„Aktuell nehme er … ein.“
Noxen„Er rauche seit 30 Jahren etwa eine Schachtel täglich.“
Sozialanamnese„Er sei verheiratet und arbeite als …“

„Verneint“ ist das nützlichste Wort dieser Liste. Es macht aus drei Sätzen einen. Die Regeln des Konjunktiv I, ein Zeitplan für die 22 Minuten und ein Beispiel vom Video zum Brief stehen in FaMed-Arztbrief: Anamnese im Konjunktiv I.

Rettungssätze: wenn Sie stocken

Rettungssatz

Ein vorbereiteter Satz für schwierige Momente: wenn man etwas nicht verstanden hat, ein Wort fehlt oder man Zeit zum Nachdenken braucht.

Diese Sätze brauchen Sie hoffentlich nie. Lernen Sie sie trotzdem als Erstes, denn sie verwandeln eine Pause in Gesprächsführung.

SituationRettungssatz
Nicht verstanden„Entschuldigung, das habe ich akustisch nicht verstanden. Könnten Sie das bitte wiederholen?“
Unsicher verstanden„Habe ich Sie richtig verstanden, dass die Schmerzen nach dem Essen kommen?“
Wort fehlt„Ich meine das Organ, das die Galle speichert, also die Gallenblase.“
Zeit zum Denken„Einen Moment, ich notiere mir das kurz.“
Eigener Fehler„Entschuldigung, ich korrigiere mich: nicht seit zwei Wochen, sondern seit zwei Tagen.“
Frage, die Sie nicht beantworten können„Das ist eine gute Frage. Das kann ich Ihnen erst nach den Untersuchungen sicher sagen.“
Zeit läuft ab„Wir haben nicht mehr viel Zeit, deshalb fasse ich kurz zusammen.“

Der Satz mit dem fehlenden Wort ist mein Lieblingssatz. Wer ein Wort umschreibt, zeigt Wortschatz, nicht Lücke. Und die Selbstkorrektur ist kein Geständnis: Sie zeigt, dass Sie sich selbst zuhören.

So lernen Sie Redemittel, damit sie in der Prüfung kommen

  1. Wählen Sie aus. Pro Phase fünf bis acht Sätze, nicht mehr. Nehmen Sie die, die zu Ihrer Art zu sprechen passen.
  2. Sprechen Sie laut. Leise lesen trainiert das Wiedererkennen, nicht das Sprechen. Jeden Satz zehnmal, bis er ohne Stocken kommt.
  3. Nehmen Sie sich auf. Hören Sie, wo Sie zögern. Das ist genau die Stelle, die in der FaMed als Pause zählt.
  4. Üben Sie im Gespräch. Ein Satz sitzt erst, wenn er Ihnen einfällt, während jemand Ihnen antwortet. Das geht nur in einer Simulation, mit einem Lernpartner oder mit einem Programm.

Die Themen, zu denen Sie die Sätze üben können, haben wir in FaMed-Themen: Welche Fälle drankommen gesammelt.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie die Tabelle mit den Rettungssätzen. Wählen Sie drei Sätze aus und sagen Sie jeden zehnmal laut, heute Abend, beim Kochen oder auf dem Weg nach Hause.

Morgen nehmen Sie die nächsten drei. In einer Woche haben Sie eine kleine Sammlung, die Ihnen in der Prüfung wirklich einfällt. Das ist mehr wert als mein Heft mit 300 Sätzen.

Häufige Fragen

Welche Redemittel brauche ich für die FaMed?+

Für jede der fünf Situationen ein paar feste Sätze: Einstieg, Überleitungen und Abschluss im Anamnesegespräch, Ablauf, Risiken und Verständnisfragen in der Aufklärung, eine feste Gliederung für die Patientenvorstellung und Einleitungsverben mit Konjunktiv I für den Arztbrief. Dazu kommen Rettungssätze für Momente, in denen Sie stocken.

Wie viele Redemittel sollte ich auswendig lernen?+

Weniger, als Sie denken. Fünf bis acht Sätze pro Gesprächsphase, die Sie ohne Nachdenken sagen können, helfen mehr als eine Liste mit 300 Sätzen, die Sie nur wiedererkennen. In der Prüfung zählt, was Ihnen unter Zeitdruck einfällt.

Darf ich in der FaMed Fachbegriffe benutzen?+

Im Gespräch mit dem Patienten sprechen Sie Laiensprache und erklären Fachbegriffe, wenn Sie sie benutzen. In der Patientenvorstellung beim Chefarzt und im Arztbrief wird dagegen Fachsprache erwartet.

Was sage ich, wenn ich den Schauspielpatienten nicht verstehe?+

Fragen Sie nach, statt zu raten: „Entschuldigung, das habe ich akustisch nicht verstanden. Könnten Sie das bitte wiederholen?“ oder „Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?“ Nachfragen ist Gesprächsführung und kostet keine Punkte. Falsch verstandene Angaben schon.

Werden Redemittel in der FaMed bewertet?+

Nicht als Liste. Bewertet wird, ob Ihre Sprache zur Situation passt, ob Sie das Gespräch führen, wie korrekt und flüssig Sie sprechen und ob die Form stimmt. Gute Redemittel helfen bei allen vier Punkten, weil sie Ihnen Pausen und Suchen ersparen.

Glossar

Redemittel
Feste Formulierungen für wiederkehrende Gesprächssituationen, zum Beispiel für den Einstieg, die Überleitung zu einem neuen Thema oder das Nachfragen. Sie entlasten das Sprechen, weil man sie nicht jedes Mal neu bilden muss.
Laiensprache
Die Alltagssprache, in der Ärztinnen und Ärzte mit Patienten sprechen, zum Beispiel „Bluthochdruck“ statt „arterielle Hypertonie“.
Überleitung
Ein kurzer Satz, der im Gespräch ein neues Thema ankündigt, etwa „Jetzt habe ich noch ein paar Fragen zu Ihren Medikamenten.“ Er gibt dem Gespräch Struktur und dem Patienten Orientierung.
Rettungssatz
Ein vorbereiteter Satz für schwierige Momente: wenn man etwas nicht verstanden hat, ein Wort fehlt oder man Zeit zum Nachdenken braucht.