FaMed-Probeprüfung: Protokoll mit Beispielen

Dr. Yanis von FSP Trainer6 Min. Lesezeit
Ärztin in Praxiskleidung arbeitet am Laptop, wie bei einer digitalen FaMed-Probeprüfung am Bildschirm
Foto: Karola G / Pexels

In diesem Protokoll:

  1. Situation 1: Anamnesegespräch
  2. Situation 2: Aufklärungsgespräch
  3. Situation 3: Patientenvorstellung Innere Medizin
  4. Situation 4: Patientenvorstellung Chirurgie
  5. Situation 5: Arztbrief nach dem Video
  6. Ihr Übungsprotokoll

Mein Ordner voller Protokolle

Vor meiner eigenen Prüfung, der FSP, habe ich Prüfungsprotokolle gesammelt wie andere Leute Briefmarken. Ein ganzer Ordner, aus Gruppen und Foren, jedes mit einer Handvoll Themen. Ich konnte sie fast aufsagen.

Dann machte ich meine erste Probe mit Uhr. Nach acht Minuten war ich erst bei den Vorerkrankungen, und die Zusammenfassung habe ich nie erreicht. Der Ordner hatte mir die Themen beigebracht. Die Zeit hatte er mir nicht beigebracht.

Das ist der Haken an Protokollen. Sie zeigen, was drankommt. Sie zeigen nicht, wie Sie in 11 Minuten damit umgehen. Dieses Protokoll macht es deshalb anders: Es spielt eine komplette Probeprüfung durch, Situation für Situation, so wie Sie sie selbst üben können.

Prüfungsprotokoll

Eine Mitschrift oder ein Erinnerungsbericht über den Verlauf einer Prüfung: Aufgaben, Fragen, Zeiten und Auffälligkeiten. Bei der FaMed meist von Kandidaten nach der Prüfung aus dem Gedächtnis geschrieben.

So läuft die Probeprüfung ab

Bauen Sie die Prüfung so nach, wie sie stattfindet. Die Angaben stammen vom Prüfungsablauf auf famed-test.de, Stand November 2026.

StationSituationZeitGegenüber
A, Arzt-Patient1. Anamnesegesprächmax. 11 Min.Schauspielpatient
2. Aufklärungsgesprächmax. 11 Min.Schauspielpatient
B, Arzt-Arzt3. Patientenvorstellung Innere Medizinmax. 11 Min.Chefarzt
4. Patientenvorstellung Chirurgiemax. 11 Min.Chefarzt
C, schriftlich5. Arztbrief, Anamneseteil22 Min. mit Videoniemand

Die Reihenfolge von A und B kann wechseln, C kommt immer zuletzt. Zwischen den Stationen haben Sie eine Minute Pause. Alles läuft am Bildschirm, mit Kopfhörer.

Bewertet wird jede Situation nach vier Gruppen von Kriterien: Passt die Textsorte, passt der Umgang mit dem Gegenüber, ist die Sprache korrekt, und wie ist der Gesamteindruck. Bestanden haben Sie nur mit mindestens 60 Prozent in jeder Station. Mehr dazu im Artikel über Ablauf, Stationen und Bewertung der FaMed.

Situation 1: Anamnesegespräch

Aufgabe auf dem Bildschirm (Beispiel): Sie sind Hausärztin oder Hausarzt. Frau Hartmann, 67 Jahre, kommt in Ihre Praxis. Erheben Sie die Anamnese, beantworten Sie ihre Fragen und erklären Sie zum Schluss das weitere Vorgehen.

Auszug aus dem Gespräch:

Patientin: Mir ist seit ein paar Tagen so komisch im Kopf. Alles dreht sich.

Sie: Das klingt unangenehm, Frau Hartmann. Seit wann genau haben Sie das?

Patientin: Seit Montag. Vor allem, wenn ich mich im Bett umdrehe.

Sie: Dreht sich der Raum, oder fühlen Sie sich eher unsicher auf den Beinen?

Worauf die Bewertung achtet: offene Frage am Anfang, dann gezielte Fragen; Laiensprache („Schwindel" statt „Vertigo"); eine Zusammenfassung am Ende. Viele Kandidaten hören nach der letzten Frage einfach auf und verschenken so einen Teil der Aufgabe.

Typischer Fehler: zu lange bei einem Symptom bleiben. In 11 Minuten müssen Sie auch Medikamente, Allergien, Familie und Soziales erfragen. Einen Zeitplan für die 11 Minuten gibt der Artikel Anamnesegespräch in der FaMed.

Situation 2: Aufklärungsgespräch

Aufgabe auf dem Bildschirm (Beispiel): Herr Brandt, 41 Jahre, bekommt morgen eine Arthroskopie des rechten Kniegelenks. Klären Sie ihn über Ablauf, Risiken und Verhaltensregeln auf. Ein Informationsblatt liegt vor.

Auf dem Infoblatt (Übungswerte, keine medizinische Auskunft): Gelenkspiegelung in Narkose, etwa 30 Minuten. Risiken: Bluterguss häufig, Infektion selten (ca. 1:1.000), Thrombose selten. Danach: Gehstützen, Thromboseprophylaxe, Kühlen.

Auszug aus dem Gespräch:

Sie: Herr Brandt, morgen schauen wir mit einer kleinen Kamera in Ihr Knie. Dafür machen wir zwei kleine Schnitte, etwa so groß wie ein Fingernagel.

Patient: Kann sich das entzünden?

Sie: Das ist selten. Bei etwa einem von tausend Patienten kommt es zu einer Infektion. Wir arbeiten steril, und wenn das Knie danach rot, warm oder stark geschwollen wird, kommen Sie bitte sofort zu uns.

Worauf die Bewertung achtet: Häufigkeiten in verständliche Sätze übersetzen, nachfragen, ob der Patient alles verstanden hat, auf Sorgen eingehen. Fachwissen wird nicht geprüft, alle Angaben stehen auf dem Blatt.

Typischer Fehler: das Blatt vorlesen. Wie Sie Risiken mit Häufigkeit erklären, zeigt der Artikel Aufklärung in der FaMed.

Situation 3: Patientenvorstellung Innere Medizin

Aufgabe auf dem Bildschirm (Beispiel): Stellen Sie dem Chefarzt Herrn Lorenz vor, 72 Jahre, aufgenommen mit ambulant erworbener Pneumonie. Ein Informationsblatt mit Beschwerden, Befunden, Medikation und Verlauf liegt vor.

Auszug:

Sie: Herr Professor, ich möchte Ihnen Herrn Lorenz vorstellen, einen 72-jährigen Patienten, der gestern mit einer ambulant erworbenen Pneumonie aufgenommen wurde. Er klagte über Fieber bis 39 Grad, produktiven Husten und Dyspnoe seit vier Tagen.

Chefarzt: Wie ist die Sauerstoffsättigung?

Sie: Bei Aufnahme lag sie bei 91 Prozent unter Raumluft, unter zwei Litern Sauerstoff aktuell bei 95 Prozent.

Worauf die Bewertung achtet: Fachsprache statt Alltagssprache, eine klare Gliederung, knappe und genaue Antworten auf Rückfragen. Der Chefarzt fragt nur nach Angaben aus dem Blatt.

Typischer Fehler: alles vortragen, was auf dem Blatt steht. Die Gliederung in sechs Punkten steht im Artikel Patientenvorstellung in der FaMed.

Patientenvorstellung

Die strukturierte Vorstellung eines Patienten vor einer Kollegin oder einem Kollegen in Fachsprache. In der FaMed findet sie bei einer gespielten Chefarztvisite statt.

Situation 4: Patientenvorstellung Chirurgie

Aufgabe auf dem Bildschirm (Beispiel): Stellen Sie Frau Krämer vor, 34 Jahre, mit akuter Appendizitis, gestern laparoskopisch appendektomiert.

Auszug:

Sie: Frau Krämer stellte sich mit seit zwölf Stunden bestehenden Schmerzen im rechten Unterbauch vor, die periumbilikal begonnen hatten. Sonographisch zeigte sich eine verdickte Appendix, die Entzündungswerte waren erhöht.

Chefarzt: Und wie ist der postoperative Verlauf?

Sie: Bisher komplikationslos. Die Patientin ist mobilisiert und hat leichte Wundschmerzen.

Worauf die Bewertung achtet: dieselben Punkte wie in Situation 3, mit einem chirurgischen Verlauf. Zeitformen sauber halten: Aufnahme und Befunde im Präteritum, der aktuelle Zustand im Präsens.

Typischer Fehler: zwischen Fachsprache und Alltagssprache wechseln. Beim Chefarzt heißt es „periumbilikal", nicht „um den Bauchnabel herum".

Situation 5: Arztbrief nach dem Video

Aufgabe auf dem Bildschirm (Beispiel): Sie sehen ein kurzes Video eines Anamnesegesprächs mit Herrn Vogel, 49 Jahre, Rückenschmerzen. Das Video dürfen Sie anhalten. Schreiben Sie den Anamneseteil eines Arztbriefs, in ganzen Sätzen, mit Konjunktiv I für die Aussagen des Patienten.

Laut Anbieter gehören hinein: Name und gegebenenfalls Alter, Gewicht, Größe, aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente, Nikotin- und Alkoholkonsum, Familien- und Sozialanamnese, gegebenenfalls die Reiseanamnese.

Auszug aus einer guten Lösung:

Herr Vogel, 49 Jahre, stellte sich mit seit fünf Tagen bestehenden Schmerzen im unteren Rücken vor. Er gibt an, die Schmerzen hätten nach dem Tragen schwerer Kisten begonnen und strahlten in das linke Bein bis zum Knie aus. Taubheitsgefühle oder Probleme beim Wasserlassen habe er nicht bemerkt. An Vorerkrankungen sei eine arterielle Hypertonie bekannt, die mit Ramipril 5 mg (1-0-0) behandelt werde.

Worauf die Bewertung achtet: vollständige Angaben, korrekter Konjunktiv I, Fachbegriffe, Rechtschreibung. Mehr dazu im Artikel Arztbrief in der FaMed.

Konjunktiv I

Die Verbform der indirekten Rede. Im Arztbrief gibt sie Aussagen des Patienten mit Distanz wieder, zum Beispiel: Der Patient gibt an, er habe seit drei Tagen Fieber.

Die Wahrheit: Protokolle lesen ist kein Üben

Protokolle sind beruhigend. Man hat das Gefühl, die Prüfung schon zu kennen. Aber die Fälle werden zufällig gezogen, und welche Sie bekommen, weiß niemand. Was Sie dagegen sicher wissen: Es kommen fünf Situationen, jede mit Uhr.

Lesen Sie Protokolle für die Themen. Üben Sie für das Format. Ein einziger Durchlauf mit Uhr zeigt Ihnen mehr über Ihre Schwächen als vierzig gelesene Protokolle.

Ihr Übungsprotokoll zum Ausfüllen

Schreiben Sie nach jeder Probeprüfung Ihr eigenes Protokoll. So sehen Sie nach zwei, drei Durchläufen, wo Sie stehen.

SituationZeit eingehalten?Textsorte getroffen?Umgang mit dem GegenüberSprachfehler, die mir auffielenStation unter 60 %?
1. Anamnese
2. Aufklärung
3. Vorstellung Innere
4. Vorstellung Chirurgie
5. Arztbrief

Nehmen Sie die Gespräche mit dem Handy auf und hören Sie sie danach an. Die Fehler, die Sie beim Sprechen nicht merken, hören Sie beim Zuhören sofort.

Probeprüfung

Ein vollständiger Übungsdurchlauf unter Prüfungsbedingungen, mit echter Zeit und ohne Hilfsmittel. Sie zeigt, welche Station unter Druck am schwächsten ist.

Wo Sie die Probeprüfung üben können

  • Offizieller Übungstest: Der Anbieter bietet einen FaMed-Übungstest für die Humanmedizin an. Er empfiehlt ihn, wenn Sie das C1-Niveau schon erreicht haben.
  • Mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner: Eine Person spielt Patient und Chefarzt, die andere stoppt die Zeit. Die Fälle oben eignen sich als Start, mehr Themen finden Sie in FaMed: typische Themen und Fälle.
  • Am Bildschirm, so oft Sie wollen: In der FaMed-Simulation üben Sie die fünf Situationen im digitalen Format, mit Uhr und Feedback nach jeder Situation, begleitend zu Ihrem Kurs.

Wenn Ihr Termin schon feststeht, planen Sie die Probeprüfungen rückwärts. Den Zeitplan dazu finden Sie im Artikel FaMed-Termine: Prüfungsorte, Anmeldung, Fristen.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie Situation 1 aus diesem Protokoll. Stellen Sie einen Timer auf 11 Minuten, bitten Sie jemanden, Frau Hartmann zu spielen, oder sprechen Sie beide Rollen laut. Danach füllen Sie die erste Zeile Ihres Übungsprotokolls aus.

Eine Zeile heute. Fünf Zeilen diese Woche. Dann wissen Sie, wo Sie stehen, und nicht nur, was drankommen könnte.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Gibt es echte FaMed-Prüfungsprotokolle?+

Kandidaten teilen in Foren und Gruppen Erinnerungsprotokolle, meist Themen und einzelne Fragen. Die Fälle der FaMed werden aber zufällig aus einem nicht öffentlichen Pool gezogen. Protokolle zeigen Ihnen also Themen und Ablauf, nicht Ihre Prüfung. Das Protokoll in diesem Artikel ist ein Übungsdurchlauf mit eigenen Beispielfällen.

Gibt es einen offiziellen FaMed-Übungstest?+

Ja. Der Anbieter stellt auf famed-test.de einen Übungstest für die Humanmedizin bereit, mit dem Sie einen authentischen Prüfungsablauf simulieren können. Er empfiehlt ihn, wenn Sie das C1-Niveau schon erreicht haben.

Wie lange dauert eine FaMed-Probeprüfung?+

Wie die echte Prüfung rund 70 Minuten: zwei mündliche Stationen mit je zwei Gesprächen von höchstens 11 Minuten, dazu der Arztbrief nach Video in 22 Minuten. Zwischen den Stationen liegt eine Minute Pause, die schriftliche Station kommt immer zuletzt.

Wann ist die FaMed bestanden?+

Wenn Sie in jeder der drei Stationen mindestens 60 Prozent erreichen. Eine starke Station gleicht eine schwache nicht aus. Werten Sie Ihre Probeprüfung deshalb auch Station für Station aus.

Wird in der FaMed Fachwissen geprüft?+

Nein. Alle medizinischen Informationen stehen vor dem Gespräch auf dem Bildschirm. Bewertet wird, wie Sie sie sprachlich weitergeben: in Alltagssprache für den Patienten, in Fachsprache für den Chefarzt und im Arztbrief.

Wie oft sollte ich eine Probeprüfung machen?+

Eine feste Zahl gibt es nicht. Sinnvoll ist ein erster Durchlauf, um Ihre schwächste Station zu finden, gezieltes Üben dieser Station und ein zweiter Durchlauf etwa sechs Wochen vor dem Termin, solange Sie noch kostenlos stornieren können.

Glossar

Prüfungsprotokoll
Eine Mitschrift oder ein Erinnerungsbericht über den Verlauf einer Prüfung: Aufgaben, Fragen, Zeiten und Auffälligkeiten. Bei der FaMed meist von Kandidaten nach der Prüfung aus dem Gedächtnis geschrieben.
Probeprüfung
Ein vollständiger Übungsdurchlauf unter Prüfungsbedingungen, mit echter Zeit und ohne Hilfsmittel. Sie zeigt, welche Station unter Druck am schwächsten ist.
Konjunktiv I
Die Verbform der indirekten Rede. Im Arztbrief gibt sie Aussagen des Patienten mit Distanz wieder, zum Beispiel: Der Patient gibt an, er habe seit drei Tagen Fieber.
Patientenvorstellung
Die strukturierte Vorstellung eines Patienten vor einer Kollegin oder einem Kollegen in Fachsprache. In der FaMed findet sie bei einer gespielten Chefarztvisite statt.