Notizen in der FSP: Patientenangaben mitschreiben

Dr. Yanis von FSP Trainer5 Min. Lesezeit
Ärztin schreibt während des Patientengesprächs Notizen auf ein Klemmbrett, wie im ersten Teil der Fachsprachprüfung
Foto: SHVETS production / Pexels

Mein Zettel sagte: „Schmerz seit Dienstag"

Bei meiner ersten Übungssimulation für die Fachsprachprüfung habe ich zwanzig Minuten lang zugehört, genickt und mitgeschrieben. Ich war zufrieden. Dann setzte ich mich an den Arztbrief und las meinen Zettel.

„Schmerz seit Dienstag. Tablette weiß. Vater Herz." Welcher Dienstag? Welche Tablette, wie oft? Was genau hatte der Vater? Die Patientin hatte mir alles gesagt. Ich hatte es nur nicht festgehalten. Mein Deutsch war gut genug, um sie zu verstehen. Mein Zettel war es nicht.

Seitdem weiß ich: In der FSP schreiben Sie Ihren Arztbrief nicht aus dem Gedächtnis. Sie schreiben ihn aus Ihren Notizen.

Warum das Mitschreiben über zwei Prüfungsteile entscheidet

Die FSP hat in den meisten Ländern drei Teile von je etwa 20 Minuten: das Arzt-Patienten-Gespräch, die Dokumentation und das Arzt-Arzt-Gespräch. Wie sie zusammenhängen, erkläre ich im Artikel über die drei Teile der FSP. Für das Mitschreiben zählt eine Sache: Teil 2 und Teil 3 bauen auf dem auf, was in Teil 1 auf Ihrem Blatt landet.

Die Kammern sagen auch, worauf sie achten. Die Sächsische Landesärztekammer nennt für das Patientengespräch unter anderem ein korrektes Zahlenverständnis. Für den Arztbericht nennt sie die exakte Wiedergabe des Gesprächs ohne eigene Interpretation und korrekte Patientendaten. Alle drei Punkte entscheiden sich beim Mitschreiben.

Dahinter steht ein Grundsatz der Gesundheitsministerkonferenz von 2014: Ärztinnen und Ärzte sollen ihre Patienten ohne wesentliche Rückfragen verstehen (Deutsches Ärzteblatt). Sie dürfen also nachfragen, aber gezielt und nicht bei jedem zweiten Satz.

Aktives Zuhören

Eine Gesprächstechnik, bei der Sie dem Patienten zeigen, dass Sie ihn verstanden haben: durch Blickkontakt, kurze Rückmeldungen und das Wiederholen wichtiger Angaben in eigenen Worten. In der FSP sichert es zugleich die Richtigkeit Ihrer Notizen.

Was ist beim Mitschreiben erlaubt?

Die Regeln unterscheiden sich je Kammer. Drei Beispiele aus den offiziellen Angaben:

KammerWas gilt für Notizen
Ärztekammer HamburgNotizblock und Stift werden gestellt. Die Notizen fließen nicht in die Bewertung ein.
Sächsische LandesärztekammerNotizen sind erlaubt, auch in Ihrer Muttersprache. Sie dürfen sie für die Dokumentation benutzen.
Ärztekammer Sachsen-AnhaltSie bekommen einen vorgedruckten Anamnesebogen für Ihre Notizen. Er wird nicht bewertet.

Quellen: Ärztekammer Hamburg, Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Stand November 2026. Was in Ihrem Land gilt, steht in Ihrem Bundesland-Ratgeber.

Die Wahrheit: Sie hören nicht zu schlecht, Sie schreiben zu viel

Die meisten Kolleginnen und Kollegen, die mir von Lücken in ihren Notizen erzählen, glauben, ihr Hörverstehen sei das Problem. Meistens ist es das nicht. Das Problem ist der Stift.

Wer ganze Sätze mitschreibt, schaut auf das Blatt, während die Patientin schon den nächsten wichtigen Satz sagt. Wer perfekt mitschreiben will, verpasst das Wichtige. Das gilt hier genauso wie überall in der Prüfung: Perfektion ist eine Falle. Stichworte, Zahlen, Pfeile. Mehr brauchen Sie nicht.

Das Notizraster: sieben Felder auf einem Blatt

Sobald Sie Papier und Stift haben, zeichnen Sie das Raster. Das dauert eine halbe Minute und erspart Ihnen später die Suche. Gibt Ihre Kammer einen vorgedruckten Bogen aus, nutzen Sie dessen Felder.

Die sieben Felder folgen den sieben Bausteinen der Anamnese. Welche Fragen Sie zu jedem Baustein stellen, steht im Artikel über Anamnese, Ablauf und Fragen. Hier geht es nur darum, wohin die Antwort auf Ihrem Blatt kommt.

Kopfzeile: Name, Alter, Geburtsdatum, Größe und Gewicht, falls genannt.

  1. Aktuelle Beschwerden: Leitsymptom, seit wann, wo, wie stark, was hilft, was verschlimmert.
  2. Vegetative Anamnese: Appetit, Gewicht, Schlaf, Stuhlgang, Wasserlassen, Fieber.
  3. Vorerkrankungen und Operationen: mit Jahreszahl, wenn genannt.
  4. Medikamente: Name, Dosis, Einnahmeschema.
  5. Allergien: Auslöser und Reaktion.
  6. Familie: wer, welche Erkrankung, in welchem Alter.
  7. Soziales: Beruf, Wohnsituation, Rauchen, Alkohol, Drogen.

Unten auf dem Blatt lassen Sie eine Zeile frei: „Offen:". Dort landet alles, was Sie nachfragen müssen.

Vom Patientensatz zum Arztbrief: Beispiele

Simulationspatienten sprechen wie echte Patienten: umgangssprachlich, ungenau, manchmal mit Absicht. Ihre Aufgabe ist es, festzuhalten, was gesagt wurde, und es erst im Arztbrief in Fachsprache zu bringen.

Was die Patientin sagtWas Sie notierenWie es im Arztbrief steht
„Seit vorgestern Abend drückt es hier in der Brust."Druck Brust seit 2 T., abends Beginn (Datum!)Die Patientin stellt sich mit seit dem [Datum] abends bestehenden thorakalen Druckbeschwerden vor.
„Ich nehme so eine kleine weiße Tablette fürs Herz, morgens eine."Med.: ? weiß, „fürs Herz", 1-0-0 → Name?Einnahme eines Herzmedikaments, Name der Patientin nicht bekannt (1-0-0).
„Ich hab Zucker, schon lange."DM, seit? Typ?Diabetes mellitus seit [Jahr].
„Penicillin vertrag ich nicht, da krieg ich Ausschlag."Allergie: Penicillin → AusschlagPenicillinallergie mit Exanthem.
„Nachts muss ich zweimal raus zum Wasserlassen."Nykturie 2×/NachtNykturie (zweimal pro Nacht).
„Mein Vater hatte was mit dem Herzen, ist mit sechzig gestorben."Vater † 60 J., Herz (was genau?)Vater mit 60 Jahren an einer Herzerkrankung verstorben.
„Ich rauche, eine Schachtel am Tag, seit ich sechzehn bin."Nikotin 1 Schachtel/d seit 16. LJNikotinkonsum von einer Schachtel täglich seit dem 16. Lebensjahr.
„Ich hab Wasser in den Beinen."Pat.: „Wasser in den Beinen" (Ödeme?)Die Patientin berichtet über Schwellungen beider Beine.

Achten Sie auf die letzte Zeile. „Wasser in den Beinen" klingt nach Herzinsuffizienz. Aber die Patientin hat keine Diagnose genannt, sie hat ein Symptom beschrieben. Schreiben Sie das Symptom auf. Ihre Verdachtsdiagnose kommt später, und zwar getrennt davon.

Einnahmeschema

Die Kurzschreibweise für die Einnahme eines Medikaments über den Tag, morgens, mittags, abends: 1-0-1 bedeutet eine Tablette morgens und eine abends. Im Arztbrief steht es in der Medikamentenliste.

Fünf Fehler beim Mitschreiben

1. Ganze Sätze notieren

Sie verlieren den Blickkontakt und den nächsten Satz. Stichworte reichen. Den ganzen Satz schreiben Sie erst im Arztbrief.

2. Zahlen nicht zurückprüfen

Sechzehn oder sechzig? Der dritte oder der dreizehnte? Ein Zahlendreher im Geburtsdatum fällt im Arztbrief sofort auf. Wiederholen Sie jede Zahl kurz: „Am 13. April 1958, richtig?" Das ist keine Schwäche. Das ist gute Gesprächsführung.

3. Deuten statt festhalten

Wenn Sie „Herzinsuffizienz" notieren, obwohl die Patientin „Wasser in den Beinen" gesagt hat, schreiben Sie Ihre Deutung in den Bericht und nicht ihre Aussage. Genau das meint die Kammer mit Wiedergabe ohne eigene Interpretation.

4. Nur noch auf das Blatt schauen

Die Patientin merkt es, und die Prüfer auch. Schreiben Sie, während die Patientin über Unwichtiges spricht, und schauen Sie auf, sobald es um Symptome, Medikamente oder Zahlen geht. Wie Sie dabei auf Ängste und Fragen eingehen, steht im Artikel über das Arzt-Patienten-Gespräch in der FSP.

5. Lücken nicht markieren

Was Sie nicht verstanden haben, verschwindet nicht. Es fehlt Ihnen nur im Arztbrief. Ein Fragezeichen in der Zeile „Offen:" erinnert Sie daran, die Lücke in der Zusammenfassung am Ende zu schließen: „Ich fasse kurz zusammen. Und welches Herzmedikament nehmen Sie genau?"

So trainieren Sie das Mitschreiben

Mitschreiben ist eine Fertigkeit, keine Begabung. Sie trainieren sie in drei Stufen:

  1. Das Raster auswendig können. Zeichnen Sie es eine Woche lang jeden Tag einmal aus dem Kopf, bis es in dreißig Sekunden steht.
  2. Hören und notieren. Hören Sie Patientenaussagen in Alltagssprache und schreiben Sie mit. Mit dem Hör-Trainer können Sie Hörverstehen Medizin trainieren: Patientendaten, Leitsymptome und Vorgeschichte aus der Alltagssprache heraushören, in kurzen Einheiten.
  3. Der ganze Weg am Stück. Gespräch führen, mitschreiben, dann aus den eigenen Notizen den Brief schreiben. Erst so merken Sie, welche Lücken Ihnen später wirklich fehlen. In der FSP-Simulation üben Sie genau diesen Ablauf, begleitend zu Ihrem Kurs. Wie der Brief selbst aufgebaut ist, lesen Sie im Artikel Arztbrief schreiben für die FSP.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie ein leeres Blatt und zeichnen Sie das Raster: Kopfzeile, sieben Felder, die Zeile „Offen:". Dann lassen Sie sich von jemandem eine kurze Krankengeschichte vorlesen, oder Sie nehmen einen Fall aus Ihrem Kurs. Notieren Sie nur Stichworte. Schreiben Sie danach aus Ihrem Zettel fünf Sätze Arztbrief.

Wenn Ihnen dabei nichts fehlt, sind Sie bereit für die nächste Stufe. Wenn doch, wissen Sie jetzt genau, wo Sie ansetzen.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Darf man in der Fachsprachprüfung Notizen machen?+

Ja. Die Kammern, die sich in ihren Merkblättern dazu äußern, erlauben Notizen im Arzt-Patienten-Gespräch, etwa Hamburg, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Papier stellt meist die Kammer, in Hessen bringen Sie eigene Stifte mit, aber keine Bleistifte. Ihre Notizen dürfen Sie danach in der Regel für die Dokumentation verwenden.

Werden die Notizen in der FSP bewertet?+

Nein. Die Ärztekammer Hamburg und die Ärztekammer Sachsen-Anhalt schreiben ausdrücklich, dass die Notizen nicht in die Bewertung einfließen. In manchen Kammern geben Sie die Notizen am Ende ab. Bewertet wird, was Sie daraus machen: der Arztbrief und die Fallvorstellung.

Darf ich meine Notizen in der Muttersprache schreiben?+

Die Sächsische Landesärztekammer erlaubt das ausdrücklich. Für andere Kammern fragen Sie vorher nach. Praktisch lohnt es sich trotzdem, Fachbegriffe schon auf Deutsch oder Latein zu notieren: Dann sparen Sie beim Arztbrief den Schritt der Übersetzung.

Was sollte ich im Anamnesegespräch mitschreiben?+

Die Patientendaten (Name, Alter, Geburtsdatum) und Stichworte zu sieben Feldern: aktuelle Beschwerden, vegetative Anamnese, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Familie und Soziales. Zahlen, Daten und Dosierungen schreiben Sie genau, alles andere in Stichworten.

Was mache ich, wenn ich den Patienten nicht verstanden habe?+

Fragen Sie gezielt nach und wiederholen Sie die Angabe in eigenen Worten, zum Beispiel: Habe ich richtig verstanden, seit dem 3. November? Markieren Sie Lücken auf dem Blatt mit einem Fragezeichen und klären Sie sie in der Zusammenfassung am Ende des Gesprächs.

Welche Abkürzungen helfen beim Mitschreiben?+

Bewährt sind Abkürzungen, die auch im Klinikalltag üblich sind: Pat. für Patient, Z. n. für Zustand nach, V. a. für Verdacht auf, 1-0-0 für das Einnahmeschema und Pfeile für mehr oder weniger. Benutzen Sie nur Abkürzungen, die Sie unter Stress sicher wieder lesen können.

Glossar

Aktives Zuhören
Eine Gesprächstechnik, bei der Sie dem Patienten zeigen, dass Sie ihn verstanden haben: durch Blickkontakt, kurze Rückmeldungen und das Wiederholen wichtiger Angaben in eigenen Worten. In der FSP sichert es zugleich die Richtigkeit Ihrer Notizen.
Notizraster
Ein vorbereitetes Schema auf dem Notizblatt mit festen Feldern, etwa für Patientendaten, Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamente. Jede Angabe des Patienten landet sofort im passenden Feld, nichts geht verloren.
Einnahmeschema
Die Kurzschreibweise für die Einnahme eines Medikaments über den Tag, morgens, mittags, abends: 1-0-1 bedeutet eine Tablette morgens und eine abends. Im Arztbrief steht es in der Medikamentenliste.
Zustand nach (Z. n.)
Eine klinische Abkürzung für ein abgeschlossenes Ereignis in der Vorgeschichte, etwa Z. n. Appendektomie für eine frühere Blinddarmoperation. Sie gehört zu den Abkürzungen, die in Notizen und Arztbriefen Platz sparen.