Anamnesebogen: Aufbau, Muster & Vorlage

Dr. Yanis von FSP Trainer4 Min. Lesezeit
Arzt in Uniform füllt am Tisch einen Anamnesebogen mit der Krankengeschichte eines Patienten aus
Foto: Laura James / Pexels

Was ist ein Anamnesebogen?

Es war meine erste Woche auf Station. Nach dem Gespräch mit dem Patienten setzte ich mich hin, ein leeres Blatt vor mir, und sollte alles festhalten. Ich hatte zugehört, ich hatte verstanden. Aber wie ordne ich das jetzt? Was zuerst, was gehört wohin? Genau dafür gibt es den Anamnesebogen.

Ein Anamnesebogen ist ein strukturiertes Formular, in dem die Krankengeschichte eines Patienten schriftlich festgehalten wird. Er sammelt an einer Stelle, was für Diagnose und Behandlung zählt, und wird später Teil der Patientenakte.

Anamnesebogen

Ein strukturiertes Formular zur schriftlichen Erfassung der Krankengeschichte eines Patienten. Es bündelt aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien sowie familiäre und soziale Angaben und wird Teil der Patientenakte.

Der Begriff hat im Alltag zwei Gesichter. In der Praxis ist der Anamnesebogen oft ein Fragebogen für Patienten: das Formular, das Sie als Neupatient im Wartezimmer ausfüllen. In der Klinik und in der Prüfung meint er die ärztliche Dokumentation: die Struktur, in der Sie das erhobene Wissen ordnen. Beide folgen demselben Aufbau.

Anamnesebogen oder Anamnesegespräch: Wo ist der Unterschied?

Diese zwei Begriffe werden ständig verwechselt, dabei sind sie klar zu trennen.

Das Anamnesegespräch ist der mündliche Teil: Sie sprechen mit dem Patienten und erheben seine Krankengeschichte. Der Anamnesebogen ist die schriftliche Seite: mal die Vorlage, die das Gespräch strukturiert, mal die Dokumentation, die es festhält.

Die beiden gehören zusammen, aber sie ersetzen einander nicht. Wie das Gespräch selbst abläuft und welche Fragen Sie stellen, habe ich ausführlich im Artikel Anamnese: Definition, Ablauf und Fragen beschrieben. Hier geht es um das Formular und seinen Aufbau.

Aufbau: Welche Bestandteile gehören in einen Anamnesebogen?

Ein vollständiger Anamnesebogen arbeitet immer dieselben Bausteine ab. Diese Reihenfolge ist kein Zufall: Sie führt vom Grund des Besuchs zu den Hintergründen und sorgt dafür, dass nichts Wichtiges untergeht.

  1. Persönliche Daten. Name, Geburtsdatum, Anschrift, Krankenkasse, Hausarzt.
  2. Aktueller Anlass. Die Hauptbeschwerde, ihr Beginn, ihre Dauer, die Schmerzstärke von 0 bis 10.
  3. Vorerkrankungen und Operationen. Chronische Erkrankungen, frühere Eingriffe, Krankenhausaufenthalte.
  4. Medikamente. Was der Patient regelmäßig einnimmt, in welcher Dosierung, inklusive Blutverdünner.
  5. Allergien und Unverträglichkeiten. Medikamente, Nahrungsmittel, Kontrastmittel.
  6. Familienanamnese. Erkrankungen bei Eltern und Geschwistern, etwa Herzinfarkt, Diabetes, Tumoren.
  7. Vegetative und Sozialanamnese. Appetit, Gewicht, Schlaf, Ausscheidung sowie Beruf, Wohnsituation, Rauchen und Alkohol.
Vegetative Anamnese

Der Teil der Anamnese, der nach Grundfunktionen des Körpers fragt: Appetit, Gewicht, Schlaf, Stuhlgang, Wasserlassen, Fieber und Ähnliches. Sie deckt Beschwerden auf, die der Patient von sich aus nicht erwähnt.

Wenn Sie diese sieben Punkte im Kopf haben, haben Sie jeden Anamnesebogen im Kopf, egal ob beim Hausarzt, beim Zahnarzt oder in der Prüfung. Die Überschriften ändern sich, die Logik bleibt.

Muster: So sieht ein Anamnesebogen aufgebaut aus

Ein einfaches Muster hilft, die Struktur zu sehen. So könnte ein ärztlicher Anamnesebogen aussehen, wenn Sie ihn nach dem Gespräch ausfüllen:

  • Patient: Herr M., 58 Jahre
  • Aktuelle Beschwerden: seit 3 Tagen drückender Schmerz hinter dem Brustbein, Ausstrahlung in den linken Arm, verstärkt bei Belastung
  • Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie seit 10 Jahren, Appendektomie 1994
  • Medikamente: Ramipril 5 mg, 1-mal täglich
  • Allergien: keine bekannt
  • Familienanamnese: Vater mit 60 Herzinfarkt
  • Sozial- und vegetative Anamnese: Raucher, 20 Zigaretten täglich, Bürojob, Appetit und Schlaf unauffällig

Sie sehen: Aus einem Gespräch von zehn Minuten werden sieben Zeilen. Das ist der eigentliche Wert des Bogens. Er zwingt Sie, das Wesentliche vom Nebensächlichen zu trennen.

Den Anamnesebogen richtig ausfüllen und dokumentieren

Jetzt kommt der Teil, den kaum jemand ausspricht. Ein perfekt ausgefülltes Formular ist nichts wert, wenn Sie die Informationen im Gespräch nicht bekommen haben. Und die beste Dokumentation nützt nichts, wenn niemand sie lesen kann.

Deshalb gelten für mich drei einfache Regeln. Schreiben Sie kurz. Stichworte, keine ganzen Sätze. Schreiben Sie geordnet. Immer dieselben Bausteine in derselben Reihenfolge. Schreiben Sie ehrlich. Was Sie nicht gefragt haben, dokumentieren Sie nicht als gefragt.

Für die Fachsprachprüfung ist das kein Nebenschauplatz, sondern der dritte Prüfungsteil. Nach dem Gespräch mit dem Simulationspatienten dokumentieren Sie den Fall schriftlich, oft unter Zeitdruck. Wer die Struktur eines Anamnesebogens im Kopf hat, ist hier klar im Vorteil. Wie diese schriftliche Dokumentation genau funktioniert, zeige ich im Artikel zum Arztbrief schreiben in der FSP, und wie Sie den Fall danach mündlich präsentieren, im Beitrag zur Fallvorstellung.

Dokumentation

Die schriftliche Festhaltung aller relevanten Informationen zu einem Patienten. In der Fachsprachprüfung ist sie der dritte Prüfungsteil und baut direkt auf der erhobenen Anamnese auf.

Der Anamnesebogen ist also kein bürokratisches Beiwerk. Er ist Ihr Sicherheitsnetz: die Struktur, die Sie trägt, wenn die Nervosität kommt und die Wörter kurz nicht da sind.

Der eine Schritt für heute

Nehmen Sie sich nicht den ganzen Bogen auf einmal vor. Nehmen Sie sich die sieben Bausteine und schreiben Sie sie einmal aus dem Gedächtnis auf ein Blatt. Persönliche Daten, aktueller Anlass, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Familie, Sozial- und vegetative Anamnese.

Wenn Sie diese Reihenfolge sicher können, füllen Sie jeden Anamnesebogen strukturiert aus, und Sie dokumentieren in der Prüfung mit ruhiger Hand. Genau das üben wir bei FSP Trainer: nicht das Formular auswendig lernen, sondern die Struktur so oft anwenden, bis sie automatisch sitzt.

Sprechen. Üben. Bestehen.

Häufige Fragen

Was ist ein Anamnesebogen?+

Ein Anamnesebogen ist ein strukturiertes Formular, in dem die Krankengeschichte eines Patienten schriftlich festgehalten wird: aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien sowie familiäre und soziale Hintergründe. Er gibt der Anamnese einen festen roten Faden und wird Teil der Patientenakte.

Was gehört in einen Anamnesebogen?+

In einen vollständigen Anamnesebogen gehören: persönliche Daten, aktueller Anlass mit Beschwerden, Vorerkrankungen und Operationen, aktuelle Medikamente, Allergien und Unverträglichkeiten, Familienanamnese sowie die Sozial- und vegetative Anamnese. Diese Bereiche werden nacheinander abgearbeitet, damit nichts vergessen wird.

Was ist der Unterschied zwischen Anamnesebogen und Anamnesegespräch?+

Das Anamnesegespräch ist das mündliche Erheben der Krankengeschichte, der Anamnesebogen ist die schriftliche Struktur oder Dokumentation dazu. Der Bogen ersetzt das Gespräch nicht: Er gibt ihm einen Rahmen und hält die Ergebnisse fest.

Muss man einen Anamnesebogen ausfüllen?+

Patienten sind nicht verpflichtet, jeden Punkt auszufüllen. Medizinisch wichtige Angaben, etwa zu Medikamenten und Allergien, sollten sie aber zur eigenen Sicherheit machen, um Wechselwirkungen auszuschließen. Als Arzt fragen Sie fehlende Angaben im Gespräch nach.

Ist der Anamnesebogen für die Fachsprachprüfung relevant?+

Ja. Im dritten Teil der Fachsprachprüfung dokumentieren Sie den Fall schriftlich. Wer die Bausteine eines Anamnesebogens im Kopf hat, dokumentiert schneller, vollständiger und strukturierter, gerade unter Zeitdruck.

Wo finde ich eine Anamnesebogen-Vorlage?+

Fertige Vorlagen bieten Fachverlage und Praxisportale als PDF oder Word an. Für die Prüfung ist wichtiger, den Aufbau selbst zu beherrschen: Wenn Sie die Bausteine auswendig können, brauchen Sie kein Formular vor sich.

Glossar

Anamnesebogen
Ein strukturiertes Formular zur schriftlichen Erfassung der Krankengeschichte eines Patienten. Es bündelt aktuelle Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien sowie familiäre und soziale Angaben und wird Teil der Patientenakte.
Vegetative Anamnese
Der Teil der Anamnese, der nach Grundfunktionen des Körpers fragt: Appetit, Gewicht, Schlaf, Stuhlgang, Wasserlassen, Fieber und Ähnliches. Sie deckt Beschwerden auf, die der Patient von sich aus nicht erwähnt.
Dokumentation
Die schriftliche Festhaltung aller relevanten Informationen zu einem Patienten. In der Fachsprachprüfung ist sie der dritte Prüfungsteil und baut direkt auf der erhobenen Anamnese auf.