Berufserlaubnis Arzt: Was Sie ohne Approbation dürfen

Zwei Jahre mit einem Stempel, der „noch nicht ganz" sagte
Zwei Jahre lang war ich Arzt in Deutschland, mit einem Stempel, der eigentlich sagte: „noch nicht ganz." Ich behandelte Patienten, trug Verantwortung, stand im Dienst. Und gleichzeitig wusste ich, dass mir die volle Zulassung noch fehlte. Diese Zwischenzeit hat mir mehr beigebracht als jeder Kurs.
Diese Zwischenzeit hat einen Namen: die Berufserlaubnis. Sie ist kein Notbehelf, sondern eine echte Brücke.
- Berufserlaubnis
Die Erlaubnis zur vorübergehenden Ausübung des ärztlichen Berufs nach § 10 Bundesärzteordnung. Befristet, an ein Bundesland gebunden und oft eine Brücke bis zur Approbation.
Berufserlaubnis oder Approbation: der Unterschied
Beide erlauben das Arbeiten als Arzt, aber sie sind nicht dasselbe. Der Unterschied liegt in drei Punkten.
- Approbation
Die unbefristete, bundesweit gültige ärztliche Vollzulassung. Sie berechtigt zur eigenverantwortlichen Ausübung der Heilkunde in allen Fachgebieten.
- Dauer: Die Approbation gilt unbefristet, die Berufserlaubnis höchstens zwei Jahre.
- Geltungsbereich: Die Approbation gilt bundesweit, die Berufserlaubnis nur in dem Bundesland, das sie erteilt hat.
- Umfang: Die Approbation erlaubt die eigenverantwortliche Tätigkeit, die Berufserlaubnis kann auf bestimmte Tätigkeiten und Stellen beschränkt werden.
Den gesamten Weg zur vollen Zulassung beschreibe ich im Leitfaden zur Approbation.
Was darf ein Arzt mit Berufserlaubnis (und ohne Approbation)?
Kurz gesagt: Mit einer Berufserlaubnis arbeiten Sie als Arzt, mit den Rechten und Pflichten eines Arztes. Sie dürfen das aber nur befristet, nur in dem Bundesland, das die Erlaubnis erteilt hat, und oft nur an der Stelle und für die Tätigkeiten, die in Ihrem Bescheid stehen. Was ohne Approbation verschlossen bleibt, ist vor allem die Kassenzulassung.
Das Gesetz ist hier klarer, als viele denken. Laut § 10 der Bundesärzteordnung haben Sie mit einer Berufserlaubnis „im Übrigen die Rechte und Pflichten eines Arztes." Sie sind also Arzt, kein Praktikant. Die meisten arbeiten damit als Assistenzarzt in einer Klinik.
| Mit Berufserlaubnis | Erlaubt? |
|---|---|
| Ärztlich arbeiten, Patienten untersuchen und behandeln, Dienste übernehmen | Ja, mit den Rechten und Pflichten eines Arztes |
| Als Assistenzarzt in einer Klinik angestellt sein | Ja, an der Stelle, die im Bescheid steht |
| In einem anderen Bundesland arbeiten | Nein, die Erlaubnis gilt nur im ausstellenden Land |
| Länger als zwei Jahre arbeiten | Nur ausnahmsweise, etwa aus Gründen der ärztlichen Versorgung |
| Tätigkeiten außerhalb der Auflagen im Bescheid | Nein, die Nebenbestimmungen gelten |
| Eigene Kassenpraxis (Zulassung als Vertragsarzt) | Nein, das Arztregister setzt die Approbation voraus (§ 95a SGB V) |
Die Grenzen stehen in Ihrem Bescheid:
- Befristet: höchstens zwei Jahre Gesamtdauer, seit dem 1. April 2012.
- Landesgebunden: gültig nur in dem Bundesland, das sie ausgestellt hat.
- Einschränkbar: die Erlaubnis kann auf bestimmte Tätigkeiten und Beschäftigungsstellen beschränkt werden.
- Nebenbestimmung
Eine Auflage im Bescheid, die die Berufserlaubnis einschränkt, etwa auf bestimmte Tätigkeiten oder eine bestimmte Beschäftigungsstelle.
In der Praxis arbeiten die meisten wie ein Assistenzarzt unter der Aufsicht eines approbierten Arztes. Das Gesetz schreibt diese Aufsicht nicht in jedem Fall ausdrücklich vor, aber die Behörde kann sie als Nebenbestimmung festlegen. Entscheidend ist immer Ihr persönlicher Bescheid.
Die Berufserlaubnis als Brücke
Hier ist die Wahrheit, die ich damals gern früher gehört hätte: Die Berufserlaubnis ist eine Etappe, keine Sackgasse. Sie ist der Ort, an dem Sie das echte klinische Deutsch lernen, nicht im Lehrbuch, sondern am Krankenbett.
Genau deshalb ist sie so wertvoll. Sie verdienen bereits Geld, sammeln deutsche Berufserfahrung und trainieren jeden Tag genau die Sprache, die Sie für die Prüfungen brauchen. Wie sich dieses medizinische Deutsch gezielt aufbauen lässt, lesen Sie im eigenen Leitfaden. Viele nutzen die Berufserlaubnis, um parallel die Fachsprachprüfung und das Approbationsverfahren abzuschließen.
Voraussetzungen und der Föderalismus
Die wichtigste Voraussetzung ist der Nachweis einer abgeschlossenen ärztlichen Ausbildung. Die Sprachanforderungen entsprechen in der Regel denen der Approbation, in der Praxis also ein Nachweis auf dem geforderten Niveau. Welche Dokumente Sie dafür beglaubigen, übersetzen oder mit Apostille versehen lassen müssen, steht in der Übersicht zu den Unterlagen für die Approbation.
Den Antrag stellen Sie bei der für Ihr Bundesland zuständigen Stelle, und genau hier zeigt sich der Föderalismus. In Nordrhein-Westfalen ist das eine andere Behörde als in Bayern, wo Sie die Approbation bei der ZAABY beantragen. Auch nach der Anerkennungsreform 2026 bleibt die Berufserlaubnis möglich.
Die genaue Rechtsgrundlage finden Sie in § 10 der Bundesärzteordnung, praxisnahe Hinweise im Service für ausländische Ärzte des Marburger Bundes und bei der Bundesärztekammer. Wie die Berufserlaubnis in den gesamten Prüfungsweg passt, zeigt der Überblick zur Fachsprachprüfung.
Fazit: eine Brücke, kein Wartesaal
Die Berufserlaubnis ist kein Zeichen, dass Sie noch kein richtiger Arzt sind. Sie ist die Phase, in der Sie es in Deutschland werden. Befristet, ja, und mit Auflagen. Aber jeder Tag darin bringt Sie der Approbation näher, fachlich und sprachlich.
Ihr erster Schritt für heute: Lesen Sie Ihren Bescheid oder die Seite Ihrer zuständigen Behörde und notieren Sie genau, welche Beschränkungen für Sie gelten. Klarheit über die Auflagen nimmt die Hälfte der Unsicherheit.
Sprechen. Üben. Bestehen.
Häufige Fragen
Was ist eine Berufserlaubnis für Ärzte?+
Die Erlaubnis zur vorübergehenden Ausübung des ärztlichen Berufs nach § 10 Bundesärzteordnung. Sie erlaubt ausländischen Ärzten, befristet in Deutschland ärztlich zu arbeiten, bevor die volle Approbation erteilt ist.
Darf ich mit einer Berufserlaubnis ohne Approbation als Arzt arbeiten?+
Ja. Sie üben den Arztberuf aus und haben laut Gesetz im Übrigen die Rechte und Pflichten eines Arztes. Die Erlaubnis ist aber befristet, an ein Bundesland gebunden und kann auf bestimmte Tätigkeiten und Stellen beschränkt werden.
Wie lange gilt eine Berufserlaubnis?+
Seit dem 1. April 2012 wird sie für eine Gesamtdauer von höchstens zwei Jahren erteilt. Eine Verlängerung darüber hinaus ist nur in Ausnahmefällen möglich, etwa aus Gründen der ärztlichen Versorgung.
Was ist der Unterschied zwischen Berufserlaubnis und Approbation?+
Die Approbation ist unbefristet, bundesweit gültig und erlaubt die eigenverantwortliche Tätigkeit in allen Fachgebieten. Die Berufserlaubnis ist befristet, auf ein Bundesland begrenzt und kann inhaltlich eingeschränkt werden.
Welche Voraussetzungen braucht die Berufserlaubnis?+
Vor allem der Nachweis einer abgeschlossenen ärztlichen Ausbildung. Die Sprachanforderungen entsprechen in der Regel denen der Approbation. Den Antrag stellen Sie bei der für Ihr Bundesland zuständigen Behörde.
Kann ich mit einer Berufserlaubnis eine eigene Kassenpraxis eröffnen?+
Nein. Für die Zulassung als Vertragsarzt müssen Sie im Arztregister eingetragen sein, und dafür ist die Approbation Voraussetzung (§ 95a SGB V). Mit der Berufserlaubnis arbeiten Sie deshalb angestellt, meist als Assistenzarzt in einer Klinik.
Muss ich mit einer Berufserlaubnis unter Aufsicht arbeiten?+
In der Praxis arbeiten die meisten wie ein Assistenzarzt unter Aufsicht eines approbierten Arztes. Die Behörde kann im Bescheid Beschränkungen festlegen. Welche genau für Sie gelten, steht in Ihrem Bescheid, prüfen Sie ihn.
Glossar
- Berufserlaubnis
- Die Erlaubnis zur vorübergehenden Ausübung des ärztlichen Berufs nach § 10 Bundesärzteordnung. Befristet, an ein Bundesland gebunden und oft eine Brücke bis zur Approbation.
- Approbation
- Die unbefristete, bundesweit gültige ärztliche Vollzulassung. Sie berechtigt zur eigenverantwortlichen Ausübung der Heilkunde in allen Fachgebieten.
- Bundesärzteordnung (BÄO)
- Das Bundesgesetz, das den Arztberuf in Deutschland regelt. Ihr § 10 bildet die Rechtsgrundlage für die Berufserlaubnis.
- Nebenbestimmung
- Eine Auflage im Bescheid, die die Berufserlaubnis einschränkt, etwa auf bestimmte Tätigkeiten oder eine bestimmte Beschäftigungsstelle.


